Dienstag, 20. September 2011

Neues Heim, neues Glück


Hallo zusammen :)
Es gibt mal wieder viel zu erzählen und –wie ich mir das schon gedacht habe- hinke ich bereits mit den Berichten hinterher.
Wichtigste Information zuerst: Ich bin umgezogen!
Zwar war mein eigentlicher Plan noch einen Monat abzuwarten und zu schauen, wie sich die Situation in der Wg entwickelt, allerdings änderte sich diese Einstellung nachdem ich zwei Nächte hinter einander nur eineinhalb Stunden schlafen konnte –denn auch unter der Woche wurde „zuhause“ ununterbrochen gefeiert! Dies hatte zur Folge, dass ich peinlicherweise in der Albergue einen leichten Kreislaufzusammenbruch hatte…und anschließend beschlossen meine selbst-ernannten Ersatzmamis (Gemma und Rosy) sowie „Tante Martha“, dass ich keinen Tag länger in der Wohnung bleiben kann. Wahrscheinlich hatte mich die Situation dort doch mehr belastet als ich dachte.
Das Ärgerliche an der Sache war allerdings, dass ich nun wirklich krank war und somit der wichtigste Feiertag Mexikos für mich ins Wasser fiel: Der „Día de Independencia“. Stattdessen ruhte ich mich aus und packte schließlich meinen Rucksack, da ich am nächsten Morgen von Mago abgeholt wurde. Es dauerte eine Ewigkeit (dabei hab ich doch gar nicht soviel mit!) und ich habe die Prozedur nur mit „How I met your mother“ überstanden :P
Die letzte Nacht verlief erstaunlich ruhig, da meine Mitbewohner über das Wochenende an den Strand gefahren waren…somit konnte ich ihnen die Umzugsnachricht nicht persönlich mitteilen, was zugegebenermaßen nicht die feine Art ist. Ich hinterließ einen Brief und hoffe sie nehmen es mir nicht übel. Sicher finden sie jemanden, der besser in die Wg passt!
Nun lebe ich jedenfalls bei Mago. Sie und ihre Familie haben eine Papelería und darüber eine kleine Wohnung (2 Zimmer und ein Bad), in welcher normalerweise Mago wohnt. Allerdings ist das Haus ihrer Mutter (in welchem auch ihre Tante und ihr Cousin leben) nur zwei Straßen weiter und sie verbringt sowieso die meiste Zeit dort, weshalb sie für mich wieder für ein Jahr zurück zieht… unglaublich lieb!
Jetzt habe ich hier mein eigenes Zimmer, eine nette Familie die sich um mich kümmert und quasi eine Gastschwester, mit welcher ich sogar zusammen zur Arbeit fahren kann. Ich finde es super, ich habe quasi alleine wohnen und Familie kombiniert :) Im Gegensatz zu vorher wohne ich nun mit dem Bus 55 Minuten vom Zentrum entfernt, aber das ist nicht schlimm, da ich unter der Woche sowieso keine Zeit dafür finde in die Stadt zu gehen und am Wochenende kann man die Fahrzeit ja gut einplanen. Außerdem sind die Straßen hier viel schöner!
Ich fühle mich hier sehr wohl und bin viel glücklicher als zuvor! Mit Mago, ihrem Cousin und einer Freundin war ich vorgestern im Kino und morgen werde ich mich mit Mago nach ein paar Sportmöglichkeiten in der Näher der Albergue umsehen - ich hoffe wir werden fündig. Eine Möglichkeit wäre eine Tanzschule mit einem Transvestiten, das klingt auf jeden Fall nach Spaß :D

Auch in der Albergue ist es super, insbesondere da seit letzter Woche eine Praktikantin ebenfalls dort arbeitet. Sie ist so alt wie ich, Mexikanerin und wir verstehen uns sehr gut.
Die letzten Tage habe ich ihm Büro gearbeitet, denn ich soll alle Bereiche der Albergue kennenlernen. Das Problem ist, dass meine Spanischkenntnisse noch recht beschränkt sind und es mir deshalb schwer fällt, beim Papierkram zu helfen.
Allerdings konnte ich Martha und Rosy auf diese Weise auch zweimal zu „Todo para sus pies“ – einem Pediküre-Zentrum begleiten. Hier kommen die Kinder jeden Monat zur Fußpflege hin, was ich persönlich sehr lustig finde :) Die Kinder müssen nichts dafür bezahlen und bekommen nachher sogar einen riesigen Schokolutscher geschenkt, was sie glaube ich am besten an der ganzen Sache finden.

Was noch erwähnenswert wäre: Ich liebe das mexicanische Essen! Die Tortillas, welche zu jedem Gericht gereicht werden, finde ich so super, dass ich sie auch pur esse…was zur Folge hat, dass Magos Mutter stets besorgt ist, ich habe vielleicht noch Hunger und wolle eine zweite Portion –was aber definitiv nicht der Fall ist, da die Erste meistens schon riesige Ausmaße annimmt.
Am Freitag war ich außerdem bei einem Familientreffen von Martha, bei welchem ich „elote con crema y queso“ probieren durfte – Mais mit Creme (fragt mich nicht aus was diese besteht) und Käse. Sehr lecker kann ich euch sagen und Gott sei Dank nicht so scharf wie manch’ andere Gerichte. Ich verzichte übrigens immer auf zusätzliches Chilli ;)

Für das nächste Wochenende ist ein Trip nach Chapala geplant – ein Ort an dem größten See Mexicos. Da dort Samstag eine Willkommensfeier für einen Freund Magos stattfindet, werde ich wohl in meinen Geburtstag hineinfeiern und ihn dann wahrscheinlich sonntags müde und gemütlich zuhause verbringen. Dann am nächsten Samstag wollen die Leute aus der Albergue mit mir zunächst in einem Restaurant/ einer Bar essen gehen, in der man Tequila trinken und Mariachis hören kann und anschließend tanzen gehen. Ich freue mich schon sehr!

Ich hoffe in Deutschland ist alles in Butter und ihr seid glücklich und zufrieden :)
Ich vermisse euch und denke oft an euch <3
Eure Sveni

PS: Photos meiner neuen Heimat folgen bald!

Sonntag, 11. September 2011

Los preescolares

Hier kommen ein paar Fotos von den fünf Kleinsten...von ihnen weiß ich sogar die Namen :)

Guillermo (genannt Memo), Roberto, Edson, Jose Àngel, Emilio - sie sind wirklich sehr süß!!
Die Fotos wurden geschossen, damit wir sie zu Weihnachts-Dankeschön-Karten legen können, welche wir an die Personen senden, die für das Heim gespendet haben. 




Erste Eindrücke von der Arbeit im Kinderheim

Hallo ihr Lieben,
mittlerweile ist mein erster „Arbeitstag“ bereits einige Tage her, aber ich muss auf jeden Fall berichten wie es war:
Am meisten Sorge hatte ich – zu Recht – vor der Busfahrt. Dazu muss man folgendes wissen: Es gibt keine Haltestellen, aber Ecken an denen die „camiones“ halten wenn man sich halb auf die Straße stellt und den Arm rausstreckt. Die Ein- und Ausstiegspunkte hatte mit Paola zuvor gezeigt, aber wer mich kennt weiß auch um meine nur mittelmäßige Orientierungsfähigkeit, und eine riesige Millionenstadt wie Guadalajara macht das nicht gerade einfacher.
Nun ja, den richtigen Ort hatte ich zunächst gefunden...nur habe ich es nicht geschafft den Bus zum anhalten zu bewegen :P Also fuhr er vorbei und bis der nächste in Sichtweite war, vergingen 40 Minuten…Ich hatte also schon leichte Panik, denn ich wollte ja nicht am ersten Arbeitstag zu spät kommen. Aber was sollte ich machen –nichts, also Ruhe bewahren.
Dann kamen wir in das Viertel in dem das Heim liegt und Paola hatte mir geraten, ich solle einfach den Fahrer nach der Straße fragen wenn ich mir bezüglich des Ausstiegs nicht mehr sicher sei. Genau, der hatte keine Ahnung, die übrigen Passagiere auch nicht…also bin ich einfach irgendwo in einer der vielen (für mich gleich aussehenden) Straßen ausgestiegen und hab mich zu Fuß durchgefragt – und man glaubt es kaum: Ich war „nur“25 Minuten zu spät und es war sowieso nicht schlimm :P
Die Busfahrer kennen hier übrigens nur Vollgas und Vollbremsung! Der Bus ist rappelvoll, die Tür geht nicht mehr zu –ok, bleibt sie auch bei 70km/h mal offen stehen. Und auch ältere Menschen müssen hier bei der Geschwindigkeit gleichgewichtsmäßig echt fit sein ;)

Im Heim angekommen haben mich Laura, eine der jungen Lehrerinnen,  und Alexis (der sich übrigens sehr gut an Sarah und Timo erinnert) durch alle Gebäude geführt:
Es gibt verschiedene „Salones“ in denen gearbeitet oder gespielt werden kann, die „baños“ und drei Schlafräume, nach Alter aufgeteilt. Außerdem das Esszimmer, die Küche und den Bürotrakt.
Das Heim ist in einem super Zustand, ich hab es mir ganz anders vorgestellt…irgendwie ein bisschen herunter gekommener. Die Kinder haben im Innenhof ein tolles Klettergerüst und ich hab schon große Lust auch mal hinauf zu kraxeln ;)
Auch die Mitarbeiter mag ich sehr sehr gerne! Alle kümmern sich um mich, sind super freundlich und wiederholen geduldig jeden Satz auch zum 50. Mal für mich…denn ich habe immer noch so meine Probleme mit der Sprache. Zuhause geht es, ich glaube auch wenn die anderen zwar fließend sprechen, unterhalten sie sich doch langsamer und nuscheln weniger :P Aber im Heim und auf der Straße klingt es für mich manchmal wie chinesisch!
Besonders lieb gewonnen habe ich Gemma, die junge Frau die im Heim der Engel für alle ist. Sie hat gesagt dass ich doch noch so klein bin und soweit weg von Zuhause...deshalb ist sie für die Zeit meine Mama :) Sehr süß! Sie kümmert sich immer um jeden mit ganzem Herzen, denn wie sie immer sagt: "a los ninos les falta amor" (den Kindern fehlt Liebe).
Auf mich passt sie auch auf wie eine Mama, deshalb hat sie auch den Koch für mich verhauen weil der mir "chile" (Chilli) angedreht hat und ich an dem kleinen Stückchen auf Tortilla beinahe gestorben wäre :P Ich esse jeden Mittag in der Albergue (sehr praktisch, denn ich kann ja nicht kochen!), echt mexicanisch natürlich. Es schmeckt super!
Die Kinder sind bezaubernd .-auch wenn es jeden tag irgendwelche kleinen ausraster gibt- und es macht Spaß mit ihnen. Obwohl ich eigentlich noch keine Aufgabe habe. das heißt ich komme an, und setz mich irgendwo dazu und eigentlich helfe ich auch nicht wirklich sondern bin einfach da :P Aber vielleicht ändert sich das ja noch.
Die Kinder fragen mich immer nach tausend Wörtern auf Englisch -besonders nach ihren Namen – vielleicht kann ich später ein bisschen Englischunterricht geben, das würde ihnen sicher Spaß machen.
Heute (am Freitag) war es ganz ganz toll mit den Kleinen -den preescolares!!! Ich hab ihnen Märchen vorgelesen und zwei sind auf meinem Schoß eingeschlafen ;) Mit Roberto hab ich die ganze zeit Tortilla aus Knete gemacht, das war auch sehr lustig. Außerdem waren ein paar Leute von einer Bank da und haben einen riiiiiiesen Kuchen und Wackelpudding mitgebracht...als Spende für die Kinder. Die haben sich vielleicht süß gefreut ;)
Ach was vielleicht noch interessant ist: In der Albergue gibt es ein „termómetro de emociones“ (Emotionsthermometer). Ist man rot, ist man traurig oder aggressiv - ist man grün, geht es einem super und gelb ist ein Mittelbereich. So kam es, das eine der ersten Fragen der Kinder an mich war: „De qué color eres?“ (In welche Farbe bist du?) :) Habe ich natürlich überhaupt nicht verstanden, aber ich wurde bald aufgeklärt. Der Sinn dahinter ist, dass jeder einen „Plan de Seguridad“ (Sicherheitsplan) hat auf dem steht, was der/die jenige tun muss, wenn er sich im roten Bereich befindet, zum Bespiel einen Moment für sich alleine sein. Es ist eine sehr schöne Idee, auch wenn in einem Jungen-Heim die Realität oft weniger friedvoll aussieht ;)
So, das sind meine ersten Eindrücke bezüglich meiner „Arbeit“ im Kinderheim! Es ist ein bisschen mehr und wahrscheinlich ziemlich durcheinander geworden, aber ich hoffe es interessiert euch trotzdem ;)
Auf jeden Fall habe ich viel Spaß im „Los Pinos“ und ich fahre jeden Tag gerne die 50 Minuten bis ins am Stadtrand liegende Zapopan.
Ich hoffe euch allen geht es gut und dass in Deutschland vielleicht doch noch der Sommer eingekehrt ist…hier scheint jedenfalls ununterbrochen die Sonne!
Ich hab euch lieb und denke viel an euch! Besitos de Sveni

Mittwoch, 7. September 2011

Ein paar erste Photos :)

Ich als kleiner Packesel am Flughafen in Frankfurt :)

Der Blick von meinem Balkon aus...

...in den Innenhof

Die abenteuerliche Treppe nach oben zu meinem Zimmer -besonders im Dunkeln sehr spannend ;)

Der Ausblick von unserem Dach auf die nachbarlichen Häuser

Mein Bett :)

Montag, 5. September 2011

Angekommen :)


Wow, nun ist es also wirklich endgültig soweit: Gerade eben sitze ich im Flieger nach Dallas!
Heute morgen musste ich mich erst zuhause schweren Herzens von Marius <3 und dann am Frankfurter Flughafen von Mama, Papa, Inga und Anna verabschieden, bevor ich schließlich die lange Prozedur der Sicherheitskontrollen durchlaufen durfte…diesmal auf besonders intensive Weise ;) Anscheinend wirkte ich sehr bedrohlich auf die Beamten, denn ich wurde auserwählt für eine Extra-Überprüfung hinter einer Trennwand: Abtasten, Tasche durchwühlen, Schuhe überprüfen –alles war dabei. Sogar mein Zwei-Ohr-Küken wurde nicht von Scans und Felltests verschont.
Schließlich war es dann aber doch geschafft und mit riesiger Freude und Aufregung, einigen Tränen in den Augen, sowie einer Stunde Verspätung ging es los auf die andere Seite der Welt.
Der Flug ging überraschend schnell vorüber (dank „How I met your mother“ und einem guten Buch) und auch das Essen war sehr lecker – ist ja weithin bekannt wie wichtig das für mich ist :P

In Dallas hatte ich nur eine gute halbe Stunde Zeit, mir war schleierhaft wie ich den nächsten Flieger erwischen sollte, aber Gott sei dank hatten die Passagiere meines Ankunftsfluges einen Extrastatus wegen der Verspätung und wir durften durch alle Kontrollschlangen hindurch düsen als reisten wir erste Klasse – das sparte viel Zeit und so bin ich doch pünktlich und todmüde in Guadalajara angekommen :)
Paola, ein anderer junger Mann dessen Namen ich natürlich schon wieder vergessen habe und drei unendliche niedliche Jungs haben mich vom Flughafen abgeholt! „Vas a lo Pinos?“ (Kommst du zu „Los Pinos“?) waren die ersten neugierigen Begrüßungsworte und dazu bekam ich einen wunderschönen Blumenstrauß :)
Erst fuhren wir die Kinder nach Hause und ich sah die Albergue bei Nacht, anschließend brachte Paola mich zu meiner Wg…mein Zimmer ist sehr schön, mit Balkon und Fenster. Heute habe ich mich eingerichtet und auch schon die ersten Bilder von meinen Liebsten aufgehangen ;)
Außerdem war ich zusammen mit Anna im mercado, habe frischen Jugo de Pinas getrunken, costillas de cerdo con salsa gegessen und einen Berg Früchte gekauft :) Ich kann Kaktusfrüchte nur weiter empfehlen!
Gleich holt mich Paola ab und zeigt mir wie ich auch mit dem Bus zur Albergue gelange…mal schaun ob ich mir das merken kann.
Ich lass bald wieder von mir hören –dann auch mit ein paar Bildern!
Liebste Grüße und besitos para todos :-*

PS: Mit der Sprache haperts übrigens noch ganz gewaltig :P

Samstag, 3. September 2011

Auf und davon

So meine Lieben,
jetzt ist es also soweit: "Adiós Alemania, Hola México!"
Zu sagen, dass es mir leicht falle zu gehen wäre gelogen und jeder der mich kennt, weiß, dass Abschiede bei mir mit einer Menge Tränen einher gehen! ;) Also darf ich morgen keinesfalls Taschentücher vergessen.
Gestern verbrachte ich noch einen wundervoll tänzerisch-lustigen-cubanischen Abend in Essen, zusammen mit Anna, Meike, Chanti, Tati, Inga und Marius --danke für die schönen Stunden mit euch :-*
Und heute habe ich mich dann endgültig ans Packen wagen müssen! Man mag es kaum glauben, doch in meinen Wunderrucksack passt tatsächlich ALLES rein (an dieser Stelle ein triumphierendes Lächeln an meinen Papi :))
Ich werde also mit 20kg, plus einem kleineren Rucksack und einer Umhängetasche nach Mexico einreisen...wollen wir hoffen, dass ich vom Flughafen aus nicht stehend in einem Bus den Weg zu meiner WG antreten werde, ansonsten wird es vermutlich ein ganz schönes Rückentrainig.
Nun liegt mein letzter Abend vor mir und ich werde ihn gemütlich zusammen mit meiner Familie und meinem Liebsten genießen, bevor es dann morgen um 5:45 Uhr los geht nach Frankfurt.
Ihr werdet mir alle sehr fehlen und ich werde sicher oft an euch denken!
Macht's gut, wir sehen uns in einem Jahr :)
Muchísimos besitos ♥ Eure Sveni