Ein großes „Buenas dias“ aus Mexico :)
Nun ist es wirklich schon Ewigkeiten her, dass ich mich gemeldet habe…soviel dazu, ich schreibe in der nächsten Zeit regelmäßiger.
Nur ist es leider so, dass es in der Albergue momentan ziemlich stressig ist und ich abends todmüde nach Hause komme...auch zum Sport machen finde ich leider keine Zeit, somit werden sich die Tacos und das fettreiche Essen bald mehr als bemerkbar machen fürchte ich :P
Ich hoffe es ist auch in eurem Sinne, dass ich heute ein bisschen zusammenfassend über das berichte, was geschehen ist und sobald ich von meiner Reise zurück bin die dazugehörigen Bilder sprechen lasse.
Am 17. November feierten die Kleinen im Kindergarten „El Día de la Revolución“. Sie verkleideten sich als „revolucionarios“ und zusammen machten wir eine „desfile“ (Parade) durch die Straßen :) Unsere 6 sahen zu goldig aus, aber ich glaube das zeigen auch die Fotos!!
Am 20. November feierten wir den „Día de la Familia“ in der Albergue! Das heißt alle Eltern waren eingeladen, es gab Spiele, leckeres Essen (natürlich Tacos) und wir mussten uns verkleiden: als Ausbildungsberufe – ich bin als Anstreicherin gegangen :)
Es war super lustig, alle Kinder haben sich ausnahmsweise mal gut benommen und wir hatten unendlich viel Spaß bei den Spielen. Außerdem konnte man einmal die Eltern (oder besser gesagt eher alleinerziehenden Mütter) aus der Nähe betrachten und es gibt schon deutliche Unterschiede…einige, die ihre Kinder wirklich lieben und sich freuen, Zeit mit ihnen verbringen zu können und andere, denen selbst nur ein Tag Beschäftigung mit den Kleinen einer zu viel ist.
Seit ich in der Albergue arbeite muss ich immer öfter an meine eigene Kindheit denken: daran, mit wie viel Liebe ich aufwachsen konnte, welche Möglichkeiten ich hatte/ habe und dass eine Familie wie ich sie habe etwas Besonderes und Unersetzliches ist. Hier in Mexico lerne ich, das was ich habe noch mehr wertzuschätzen und mir wird bewusst, dass ich in der Vergangenheit viel zu wenig darüber nachgedacht habe, wie viel Glück ich eigentlich habe.
Am 30. November feierten wir die Geburtstage aller Oktober- und November- Kinder. Mich hatte es immer gestört, dass die Kinder an ihrem Ehrentag zwar eine Medaille umgehängt bekommen und man abends ein Geschenk überreicht, aber eigentlich nur die Freiwilligen Notiz davon nehmen und nicht in der Gemeinschaft gefeiert wird. Deshalb habe ich mir Rosy gesprochen und zusammen haben wir beschlossen, am Ende jeden Monats Kuchen zu kaufen und nach dem Mittagessen gemeinsam ein Lied für alle Geburtstagskinder zu singen, die Geschenke zu überreichen und den Geburtstagskuchen zu verputzen. Diesmal war das Ganze noch ein wenig chaotisch, aber wir haben ja alle 30 Tage die Möglichkeit uns zu verbessern ;)
Am 1. Dezember fand ein Fußballturnier zwischen den verschieden Alberguen Guadalajaras statt. Mago und ich wurden jeweils als „Trainer“ für ein Team eingesetzt – zwei Frauen ohne nennenswerte Fußballkenntnisse, die Jungs waren begeistert :P
Los ging es und zunächst war auch alles super, denn Oliver (der Sportlehrer) war noch an unserer Seite. Als dieser allerdings bei den Jugendlichen gucken ging begann das Drama:
Wir hatten drei Teams, von denen eins eindeutig das Beste war („Barcelona“). Da wir mit einer der anderen Gruppen schon ein Spiel verloren hatten, war Mago nun davon besessen zu gewinnen :P Das Spiel begann und nach 2 Minuten ließ sich Maguito von den Kindern aufklären, wer denn nun von den Anwesenden die besten Fußballer seien und fing an fröhlich auszuwechseln…wie wild wurden Trikots getauscht und immer mehr machte sich schlechte Laune breit: „Mago, der ist doch gar nicht von Team „Alemania“!“ , „Mago, ich habe noch gar nicht gespielt und das ist doch mein Team!“ „Mago guck mal, das Trikot was ich jetzt an hab ist mir doch viel zu klein“ – langsam schaukelten sich die Kinder immer weiter hoch, aber Mago war von ihrem Siegeswillen auch durch mich nicht abzubringen :D
Das Ende vom Lied war, dass Mago allen Ernstes das komplette Team Alemania durch Team Barcelona ersetzt hatte – denn dort spielten die Besten – und somit keiner der eigentlichen Gruppe mehr auf dem Platz stand. Verständlicherweise waren die Kinder fuchsteufelswild! Der Ausruf „Mago du hast doch einfach keine Ahnung von Fußball!“ war noch der harmloseste…und was tat unsere liebe Trainerin? Sie hat sich kaputt gelacht :D Es war wirklich zum schießen, ich hab mich amüsiert ohne Ende (vor allem die neuen Trikotkombis, die sich durch die Tauscherei ergeben hatten, waren aber auch zu komisch) während 20 Kinder kurz vor einem Tobsuchtsanfall standen und sich wie wild bei Oliver beschwerten – ich konnte ihre Entrüstung sehr gut nachvollziehen, insbesondere weil wir mit Magos Super-Misch-Mannschaft auch noch verloren haben :P
Allerdings hatten sich nach einiger Zeit alle wieder beruhigt und zusammen feuerten wir Team Barcelona an, das sich langsam Richtung Finale durchkämpfte:
„Cuchillo navaja, mi eqipo ne se raja! Cero cero cinco mil, a mi equipo no le ganan ni tomando chocomil!” :D
Und tatsächlich, schlussendlich gewannen unsere Kiddies das Turnier!!!
Neben dem Supersport Fußball versuchten Mago und ich an einem Tag den Kindern auch Handball ein wenig näher zu bringen, in dem wir mit einem mehr oder minder großen Gymnastikball „Fußball, nur mit fangen und werfen“ spielten :) Es war so unendlich lustig und muss auf jeden Fall bald wiederholt werden!!
Was ansonsten in der Albergue geschah:
Die Kinder hatten ein Photoshooting mit der mexicanischen Parapanamericano- Gewinnerin Haydee Aceves (Disziplin: Schwimmen)!! Sie ist sehr sympathisch und wirkt total auf dem Boden geblieben – sogar die Kinder durften ihre Medaillen abwechselnd um den Hals tragen! Und Ian, Mago und ich konnten jeder noch Photos mit ihr machen. Welche Ehre! :)
Außerdem war großer Friseur- Tag! Es kamen einige Friseurauszubildene in die Albergue, welche den Kindern die Haare schneiden sollten…normalerweise kein Problem, nur Dieguito war partout nicht von dieser Idee zu überzeugen. Somit verbrachte ich eineinhalb Stunden mit einem Kind auf dem Arm, das sich an mich klammerte und mit keinem der jungen Damen und Herren auch nur ein Wort wechseln wollte – selbst mit Süßigkeiten war er nicht zu bestechen ;) Und als einige Mädchen anfingen Photos von ihm zu machen, denn er ist ja soooooo goldig (ein Prozedere, was sich bei jedem Besuch wiederholt und unserem Kleinen gar nicht gefällt) war alles vorbei und wir entschieden, dass das Ganze mit Diego an dem Tag keinen Sinn mehr machte. Sogar auf Toilette musste ich ihn später begleiten, weil er Angst hatte, einer der Auszubildenden könnte sich ihn schnappen – unser Diego ist wirklich zu süß! ;)
Jetzt in der Weihnachtszeit kommen fast jeden Tag Besucher in die Albergue (Firmen, Schulen, etc.) um sogenannte „posadas“ mit den Kindern zu feiern. Man kann sich das Ganze etwa wie eine Weihnachtsfeier vorstellen, bei der die Kinder Geschenke bekommen und „piñatas“ kaputtschlagen, um an die Süßigkeiten zu kommen. Bisher hatten wir nur eine wirklich traditionelle posada, bei welcher die Besucher mit den Kindern zunächst über die Weihnachtsgeschichte sprachen, danach mit ihnen Lieder sangen und in der piñata auch Erdnüsse und Mandarinen zu finden waren.
Das Problem mit den vielen Besuchen ist, dass die Kinder die Geschenke überhaupt nicht mehr wertzuschätzen wissen – denn objektiv betrachtet, bekommen sie materiell gesehen mehr als die meisten Kinder in Mexico, die in Familien leben.
Meiner Meinung nach wäre es soviel besser, wenn die Besucher statt Geschenke und Süßem Zeit mitbrächten, die sie zusammen mit den Kindern verbringen könnten. Auch wenn Diego darunter leiden würde, weil alle Mädchen/ Frauen immer nur „hinter ihm her sind und nicht auf ihn hören, wenn er sagt sie sollen ihn in Ruhe lassen“ ;)
Natürlich existiert auch noch ein Leben neben der Albergue!
In unserer Freizeit waren wir in der letzten Zeit öfter mal im Kino und an einem Samstag haben Mago und ich unsere Freunde zu einem Cocktailabend zu uns nach Hause eingeladen – Ramon und Isaias hatten ihre Gitarren dabei und somit wurde es eine sehr stimmungsreiche Nacht :)
Außerdem bin ich noch zweimal mit Ian, Gemma und Aaron nach Ocotlán gefahren und habe dort das Wochenende mit ihnen verbracht…ich durfte Ians zwei Jahre alten Großcousin Leo kennenlernen und ganz ehrlich, ich habe noch NIE so ein fröhliches Kind gesehen. Die ganze Zeit strahlte der kleine Fratz vor sich hin, sprach mit mir auf deutsch (jaaaa, denn ohne es zu wissen sagt er tatsächlich einige deutsche Wörter :P), aß mein Rührei auf und lachte sich dabei kaputt und wenn er etwas von mir wollte hieß es immer „Tía ven“ (Tante komm)…ich glaube ich habe mich verliebt :)
Letzte Woche fand in Guadalajara ein Konzert der „40 principales“(Radiosender) statt – und Ian hatte 4 Karten gewonnen! Ramon, Mago, Ian und ich gingen zusammen hin und es waren wirklich einige super bekannte mexicanische Musikstars dabei. Natürlich kannte ich 80 Prozent nicht, aber die Stimmung war klasse und wir hatten sehr viel Spaß. Meine neuen Lieblingssänger heißen übrigens Reyli und Kalimba ;)
Außerdem haben Caren, Isaias und ich bei Isaias zuhause Weihnachtsplätzchen gebacken (die leckersten Zitronenbrezel und Vanillekipferl nach Mamas Rezept) und obwohl wir viel improvisieren mussten, konnte sich das Ergebnis durchaus schmecken lassen. In jedem Fall sei ich nun „heiratsfähig“, so wurde mir verkündet :P Bei dieser Gelegenheit musste ich Isaias natürlich auch gleich die Plätzchenback- und Weihnachtsmusik von unserem lieben Rolf präsentieren, denn der darf auch in Mexico zur Adventszeit nicht fehlen!
Auch in unserem Freundeskreis wurde es langsam weihnachtlich und so haben wir eine Schal-Wichtel-Aktion gestartet…vielleicht haben einige schon die Fotos auf facebook gesehen. Wir waren in einer supertollen Bar, haben lecker gegessen und dank Ramon und Isaias auch für musikalische Unterhaltung für die Gäste sorgen können – denn „ohne Gitarre gehen (sie) nie aus dem Haus“ ;) Ich habe von Isabel einen wunderschönen blauen Schal bekommen, der mich in gewisser Weise an Arielle erinnert, passt also gut zum Abimotto :P
Zudem wäre zu berichten, dass Ian und ich erstmalig eine für hier typische katholische Messe besucht haben – und zwar nicht in einer Kirche, sondern in einem der Häuser aus der Nachbarschaft. Diesmal kam kein Pastor, um die Messe zu halten, sondern alle Versammelten feierten in der Gemeinschaft den „Geburtstag“ der Virgen de Guadalupe (Jungfrau von Guadalupe), da diese die Schutzpatronin von Mexico ist. Dazu muss man wissen, dass hier in Mexico (und ich glaube allgemein in Südamerika) viele Jungfrauen existieren, aber alle Maria repräsentieren – so auch die „Guadalalupana“, wie sie ebenfalls genannt wird. An dem besagten Tag war das Jubiläum der Erscheinung der „Virgen de Guadalupe“ auf dem Berg Tepeyac: Die Jungfrau erschien dem Indio Juan Diego und beauftragte ihn, an jenem Ort eine Kapelle zu errichten, welche heute als „Basilika der Jungfrau von Guadalupe“ bekannt ist.
Es war eine sehr interessante Erfahrung…wir verbrachten eine Stunde damit, die einzelnen „Mysterien“ der Jungfrau anzuhören und nach jedem einzelnen beteten wir das Vater-Unser UND mindestens 10 mal das „Ave Maria“, sodass wir am Ende einen kompletten Rosenkranz gebetet hatten! Ich hätte nie gedacht, dass ich so was in der heutigen Zeit mal erlebe, ich kannte ähnliches eher aus dem Mittelalter…Aber nein, hier ist das Ganze noch aktuell und offensichtlich verbreitet.
Außerdem sangen wir jede Strophe des Liedes „La Guadalupana“ – ein Ohrwurm , der seines Gleichen sucht, das kann ich euch sagen ;)
Das Ganze klingt nun sehr fromm und streng katholisch und sicherlich ist es dies auch, aber was für mich mit diesem Bild überhaupt nicht übereinstimmte war folgendes: alle Anwesenden ratterten die Worte der Gebete nur so herunter, frei nach dem Motto „je schneller ich rede desto eher sind wir fertig“. Wirkliche Andacht oder Besinnung konnte ich nicht entdecken und das ist es doch worum es meiner Meinung nach eigentlich geht. Außerdem finde ich es immer wieder seltsam, dass hier so viel Wert auf die Formulierung „die katholische Kirche Mexicos“ gelegt wird und stets für das „schönste Vaterland“ gebetet wird…ich dachte immer, Nationalismus hätte im Glauben weniger Bedeutung, da wir doch länderübergreifend Christen sind. Deshalb kann ich mich nicht so ganz mit dieser Art des Beten und Bittens anfreunden ;)
Nun gut, das war so grob was in den vielen Wochen passiert ist, in denen ich mich nicht gemeldet habe :) Da ich gerade zuhause bin und dort das Internet sehr langsam arbeitet, konnte ich leider keine Fotos hochladen…morgen geht es dann erstmal auf große Reise nach Chiapas, Cancun, Veracruz etc. und wenn ich zurück bin, werde ich die Bilder veröffentlichen, von Weihnachten erzählen und natürlich einen (hoffentlich begeisterten) Reisebericht schreiben.
Es tut mir Leid, dass dieser Eintrag somit ein wenig unvollständig ist, aber ich dachte wenn ich immer auf die Fotos warte, werde ich ihn wohl nie hochladen – ich hoffe, er ist trotz allem recht unterhaltsam.
Ich wünsche euch allen noch eine wunderschöne Weihnachtszeit, lasst euch reich beschenken und verbringt die Tage mit euren Liebsten.
Ab dem 5. Januar bin ich wieder zu erreichen, bis dahin nur auf meinem Handy, falls jemand das dringende Bedürfnis hat meine Stimme zu hören :P
Ich denke an euch, liebste Grüße
Eure Sveni