Montag, 26. Dezember 2011

Jaaa, ich lebe noch ;)


Ein großes „Buenas dias“ aus Mexico :)
Nun ist es wirklich schon Ewigkeiten her, dass ich mich gemeldet habe…soviel dazu, ich schreibe in der nächsten Zeit regelmäßiger.
Nur ist es leider so, dass es in der Albergue momentan ziemlich stressig ist und ich abends todmüde nach Hause komme...auch zum Sport machen finde ich leider keine Zeit, somit werden sich die Tacos und das fettreiche Essen bald mehr als bemerkbar machen fürchte ich :P
Ich hoffe es ist auch in eurem Sinne, dass ich heute ein bisschen zusammenfassend über das berichte, was geschehen ist und sobald ich von meiner Reise zurück bin die dazugehörigen Bilder sprechen lasse.

Am 17. November feierten die Kleinen im Kindergarten „El Día de la Revolución“. Sie verkleideten sich als „revolucionarios“ und zusammen machten wir eine „desfile“ (Parade) durch die Straßen :) Unsere 6 sahen zu goldig aus, aber ich glaube das zeigen auch die Fotos!!

Am 20. November feierten wir den „Día de la Familia“ in der Albergue! Das heißt alle Eltern waren eingeladen, es gab Spiele, leckeres Essen (natürlich Tacos) und wir mussten uns verkleiden: als Ausbildungsberufe – ich bin als Anstreicherin gegangen :)
Es war super lustig, alle Kinder haben sich ausnahmsweise mal gut benommen und wir hatten unendlich viel Spaß bei den Spielen. Außerdem konnte man einmal die Eltern (oder besser gesagt eher alleinerziehenden Mütter) aus der Nähe betrachten und es gibt schon deutliche Unterschiede…einige, die ihre Kinder wirklich lieben und sich freuen, Zeit mit ihnen verbringen zu können und andere, denen selbst nur ein Tag Beschäftigung mit den Kleinen einer zu viel ist.
Seit ich in der Albergue arbeite muss ich immer öfter an meine eigene Kindheit denken: daran, mit wie viel Liebe ich aufwachsen konnte, welche Möglichkeiten ich hatte/ habe und dass eine Familie wie ich sie habe etwas Besonderes und Unersetzliches ist. Hier in Mexico lerne ich, das was ich habe noch mehr wertzuschätzen und mir wird bewusst, dass ich in der Vergangenheit viel zu wenig darüber nachgedacht habe, wie viel Glück ich eigentlich habe.

Am 30. November feierten wir die Geburtstage aller Oktober- und November- Kinder. Mich hatte es immer gestört, dass die Kinder an ihrem Ehrentag zwar eine Medaille umgehängt bekommen und man abends ein Geschenk überreicht, aber eigentlich nur die Freiwilligen Notiz davon nehmen und nicht in der Gemeinschaft gefeiert wird. Deshalb habe ich mir Rosy gesprochen und zusammen haben wir beschlossen, am Ende jeden Monats Kuchen zu kaufen und nach dem Mittagessen gemeinsam ein Lied für alle Geburtstagskinder zu singen, die Geschenke zu überreichen und den Geburtstagskuchen zu verputzen. Diesmal war das Ganze noch ein wenig chaotisch, aber wir haben ja alle 30 Tage die Möglichkeit uns zu verbessern ;)

Am 1. Dezember fand ein Fußballturnier zwischen den verschieden Alberguen Guadalajaras statt. Mago und ich wurden jeweils als „Trainer“ für ein Team eingesetzt – zwei Frauen ohne nennenswerte Fußballkenntnisse, die Jungs waren begeistert :P
Los ging es und zunächst war auch alles super, denn Oliver (der Sportlehrer) war noch an unserer Seite. Als dieser allerdings bei den Jugendlichen gucken ging begann das Drama:
Wir hatten drei Teams, von denen eins eindeutig das Beste war („Barcelona“). Da wir mit einer der anderen Gruppen schon ein Spiel verloren hatten, war Mago nun davon besessen zu gewinnen :P Das Spiel begann und nach 2 Minuten ließ sich Maguito von den Kindern aufklären, wer denn nun von den Anwesenden die besten Fußballer seien und fing an fröhlich auszuwechseln…wie wild wurden Trikots getauscht und immer mehr machte sich schlechte Laune breit: „Mago, der ist doch gar nicht von Team „Alemania“!“ , „Mago, ich habe noch gar nicht gespielt und das ist doch mein Team!“ „Mago guck mal, das Trikot was ich jetzt an hab ist mir doch viel zu klein“ – langsam schaukelten sich die Kinder immer weiter hoch, aber Mago war von ihrem Siegeswillen auch durch mich nicht abzubringen :D
Das Ende vom Lied war, dass Mago allen Ernstes das komplette Team Alemania durch Team Barcelona ersetzt hatte – denn dort spielten die Besten – und somit keiner der eigentlichen Gruppe mehr auf dem Platz stand. Verständlicherweise waren die Kinder fuchsteufelswild! Der Ausruf „Mago du hast doch einfach keine Ahnung von Fußball!“ war noch der harmloseste…und was tat unsere liebe Trainerin? Sie hat sich kaputt gelacht :D Es war wirklich zum schießen, ich hab mich amüsiert ohne Ende (vor allem die neuen Trikotkombis, die sich durch die Tauscherei ergeben hatten, waren aber auch zu komisch) während 20 Kinder kurz vor einem Tobsuchtsanfall standen und sich wie wild bei Oliver beschwerten  – ich konnte ihre Entrüstung sehr gut nachvollziehen, insbesondere weil wir mit Magos Super-Misch-Mannschaft auch noch verloren haben :P
Allerdings hatten sich nach einiger Zeit alle wieder beruhigt und zusammen feuerten wir Team Barcelona an, das sich langsam Richtung Finale durchkämpfte:
„Cuchillo navaja, mi eqipo ne se raja! Cero cero cinco mil, a mi equipo no le ganan ni tomando chocomil!” :D
Und tatsächlich, schlussendlich gewannen unsere Kiddies das Turnier!!!

Neben dem Supersport Fußball versuchten Mago und ich an einem Tag den Kindern auch Handball ein wenig näher zu bringen, in dem wir mit einem mehr oder minder großen Gymnastikball „Fußball, nur mit fangen und werfen“ spielten :) Es war so unendlich lustig und muss auf jeden Fall bald wiederholt werden!!

Was ansonsten in der Albergue geschah:
Die Kinder hatten ein Photoshooting mit der mexicanischen Parapanamericano- Gewinnerin Haydee Aceves (Disziplin: Schwimmen)!! Sie ist sehr sympathisch und wirkt total auf dem Boden geblieben – sogar die Kinder durften ihre Medaillen abwechselnd um den Hals tragen! Und Ian, Mago und ich konnten jeder noch Photos mit ihr machen. Welche Ehre! :)

Außerdem war großer Friseur- Tag! Es kamen einige Friseurauszubildene in die Albergue, welche den Kindern die Haare schneiden sollten…normalerweise kein Problem, nur Dieguito war partout nicht von dieser Idee zu überzeugen. Somit verbrachte ich eineinhalb Stunden mit einem Kind auf dem Arm, das sich an mich klammerte und mit keinem der jungen Damen und Herren auch nur ein Wort wechseln wollte – selbst mit Süßigkeiten war er nicht zu bestechen ;) Und als einige Mädchen anfingen Photos von ihm zu machen, denn er ist ja soooooo goldig (ein Prozedere, was sich bei jedem Besuch wiederholt und unserem Kleinen gar nicht gefällt) war alles vorbei und wir entschieden, dass das Ganze mit Diego an dem Tag keinen Sinn mehr machte. Sogar auf Toilette musste ich ihn später begleiten, weil er Angst hatte, einer der Auszubildenden könnte sich ihn schnappen – unser Diego ist wirklich zu süß! ;)

Jetzt in der Weihnachtszeit kommen fast jeden Tag Besucher in die Albergue (Firmen, Schulen, etc.) um sogenannte „posadas“ mit den Kindern zu feiern. Man kann sich das Ganze etwa wie eine Weihnachtsfeier vorstellen, bei der die Kinder Geschenke bekommen und „piñatas“ kaputtschlagen, um an die Süßigkeiten zu kommen. Bisher hatten wir nur eine wirklich traditionelle posada, bei welcher die Besucher mit den Kindern zunächst über die Weihnachtsgeschichte sprachen, danach mit ihnen Lieder sangen und in der piñata auch Erdnüsse und Mandarinen zu finden waren.
Das Problem mit den vielen Besuchen ist, dass die Kinder die Geschenke überhaupt nicht mehr wertzuschätzen wissen – denn objektiv betrachtet, bekommen sie materiell gesehen mehr als die meisten Kinder in Mexico, die in Familien leben.
Meiner Meinung nach wäre es soviel besser, wenn die Besucher statt Geschenke und Süßem Zeit mitbrächten, die sie zusammen mit den Kindern verbringen könnten. Auch wenn Diego darunter leiden würde, weil alle Mädchen/ Frauen  immer nur „hinter ihm her sind und nicht auf ihn hören, wenn er sagt sie sollen ihn in Ruhe lassen“ ;)

Natürlich existiert auch noch ein Leben neben der Albergue!
In unserer Freizeit waren wir in der letzten Zeit öfter mal im Kino und an einem Samstag haben Mago und ich unsere Freunde zu einem Cocktailabend zu uns nach Hause eingeladen – Ramon und Isaias hatten ihre Gitarren dabei und somit wurde es eine sehr stimmungsreiche Nacht :)
Außerdem bin ich noch zweimal mit Ian, Gemma und Aaron nach Ocotlán gefahren und habe dort das Wochenende mit ihnen verbracht…ich durfte Ians zwei Jahre alten Großcousin Leo kennenlernen und ganz ehrlich, ich habe noch NIE so ein fröhliches Kind gesehen. Die ganze Zeit strahlte der kleine Fratz vor sich hin, sprach mit mir auf deutsch (jaaaa, denn ohne es zu wissen sagt er tatsächlich einige deutsche Wörter :P), aß mein Rührei auf und lachte sich dabei kaputt und wenn er etwas von mir wollte hieß es immer „Tía ven“ (Tante komm)…ich glaube ich habe mich verliebt :)
Letzte Woche fand in Guadalajara ein Konzert der „40 principales“(Radiosender) statt – und Ian hatte 4 Karten gewonnen! Ramon, Mago, Ian und ich gingen zusammen hin und es waren wirklich einige super bekannte mexicanische Musikstars dabei. Natürlich kannte ich 80 Prozent nicht, aber die Stimmung war klasse und wir hatten sehr viel Spaß. Meine neuen Lieblingssänger heißen übrigens Reyli und Kalimba ;)
Außerdem haben Caren, Isaias und ich bei Isaias zuhause Weihnachtsplätzchen gebacken (die leckersten Zitronenbrezel und Vanillekipferl nach Mamas Rezept) und obwohl wir viel improvisieren mussten, konnte sich das Ergebnis durchaus schmecken lassen. In jedem Fall sei ich nun „heiratsfähig“, so wurde mir verkündet :P Bei dieser Gelegenheit musste ich Isaias natürlich auch gleich die Plätzchenback- und Weihnachtsmusik von unserem lieben Rolf präsentieren, denn der darf auch in Mexico zur Adventszeit nicht fehlen!
Auch in unserem Freundeskreis wurde es langsam weihnachtlich und so haben wir eine Schal-Wichtel-Aktion gestartet…vielleicht haben einige schon die Fotos auf facebook gesehen. Wir waren in einer supertollen Bar, haben lecker gegessen und dank Ramon und Isaias auch für musikalische Unterhaltung für die Gäste sorgen können – denn „ohne Gitarre gehen (sie) nie aus dem Haus“ ;) Ich habe von Isabel einen wunderschönen blauen Schal bekommen, der mich in gewisser Weise an Arielle erinnert, passt also gut zum Abimotto :P
Zudem wäre zu berichten, dass Ian und ich erstmalig eine für hier typische katholische Messe besucht haben – und zwar nicht in einer Kirche, sondern in einem der Häuser aus der Nachbarschaft. Diesmal kam kein Pastor, um die Messe zu halten, sondern alle Versammelten feierten in der Gemeinschaft den „Geburtstag“ der Virgen de Guadalupe (Jungfrau von Guadalupe), da diese die Schutzpatronin von Mexico ist. Dazu muss man wissen, dass hier in Mexico (und ich glaube allgemein in Südamerika) viele Jungfrauen existieren, aber alle Maria repräsentieren – so auch die „Guadalalupana“, wie sie ebenfalls genannt wird. An dem besagten Tag war das Jubiläum der Erscheinung der „Virgen de Guadalupe“ auf dem Berg Tepeyac: Die Jungfrau erschien dem Indio Juan Diego und beauftragte ihn, an jenem Ort eine Kapelle zu errichten, welche heute als „Basilika der Jungfrau von Guadalupe“ bekannt ist.
Es war eine sehr interessante Erfahrung…wir verbrachten eine Stunde damit, die einzelnen „Mysterien“ der Jungfrau anzuhören und nach jedem einzelnen beteten wir das Vater-Unser UND mindestens 10 mal das „Ave Maria“, sodass wir am Ende einen kompletten Rosenkranz gebetet hatten! Ich hätte nie gedacht, dass ich so was in der heutigen Zeit mal erlebe, ich kannte ähnliches eher aus dem Mittelalter…Aber nein, hier ist das Ganze noch aktuell und offensichtlich verbreitet.
Außerdem sangen wir jede Strophe des Liedes „La Guadalupana“ – ein Ohrwurm , der seines Gleichen sucht, das kann ich euch sagen ;)
Das Ganze klingt nun sehr fromm und streng katholisch und sicherlich ist es dies auch, aber was für mich mit diesem Bild überhaupt nicht übereinstimmte war folgendes: alle Anwesenden ratterten die Worte der Gebete nur so herunter, frei nach dem Motto „je schneller ich rede desto eher sind wir fertig“. Wirkliche Andacht oder Besinnung konnte ich nicht entdecken und das ist es doch worum es meiner Meinung nach eigentlich geht. Außerdem finde ich es immer wieder seltsam, dass hier so viel Wert auf die Formulierung „die katholische Kirche Mexicos“ gelegt wird und stets für das „schönste Vaterland“ gebetet wird…ich dachte immer, Nationalismus hätte im Glauben weniger Bedeutung, da wir doch länderübergreifend Christen sind. Deshalb kann ich mich nicht so ganz mit dieser Art des Beten und Bittens anfreunden ;)

Nun gut, das war so grob was in den vielen Wochen passiert ist, in denen ich mich nicht gemeldet habe :) Da ich gerade zuhause bin und dort das Internet sehr langsam arbeitet, konnte ich leider keine Fotos hochladen…morgen geht es dann erstmal auf große Reise nach Chiapas, Cancun, Veracruz etc. und wenn ich zurück bin, werde ich die Bilder veröffentlichen, von Weihnachten erzählen und natürlich einen (hoffentlich begeisterten) Reisebericht schreiben.
Es tut mir Leid, dass dieser Eintrag somit ein wenig unvollständig ist, aber ich dachte wenn ich immer auf die Fotos warte, werde ich ihn wohl nie hochladen – ich hoffe, er ist trotz allem recht unterhaltsam.

Ich wünsche euch allen noch eine wunderschöne Weihnachtszeit, lasst euch reich beschenken und verbringt die Tage mit euren Liebsten.
Ab dem 5. Januar bin ich wieder zu erreichen, bis dahin nur auf meinem Handy, falls jemand das dringende Bedürfnis hat meine Stimme zu hören :P
Ich denke an euch, liebste Grüße

Eure Sveni

Mittwoch, 23. November 2011

„Dia de los Muertos“



Hallo meine Herzensfreunde, bzw. Familie :)
Eigentlich sollte mein nächster Eintrag über den „Dia de los muertos“ werden (auch wenn dieser zugegebenermaßen schon einige Zeit her ist), aber da in der Albergue soviel geschehen ist, werde ich die aktuellsten Geschichten vorziehen:
Es hat sich herausgestellt, dass Paola bald die Position einnehmen wird, die bisher Gemma inne hatte: sie wird Chefin aller Ausbilder („Educadores“) und arbeitet somit unmittelbar mit uns und den Kindern zusammen. Gemma wird in die Büros in der „Casa de Jovenes“ versetzt und wird zudem Verantwortliche für alle Freiwilligen. Letzteres ist super, denn mit Gemma verstehe ich mich sehr gut und ich weiß, dass sie es gerne sieht wenn ich Mexico näher kennenlerne und wird mir somit Überstunden und Sonderarbeitstage als Urlaube anrechnen – was bei Paola nicht der Fall war.
Der negative Beigeschmack ist allerdings, dass das Verhältnis von Mago und Paola (die zwei sind ehemals beste Freundinnen) dermaßen gestört ist, dass Mago sich nicht in der Lage sieht, tagtäglich unter dem Kommando von Paola zu arbeiten…sie wird kündigen und im Januar, wenn der Stellenwechsel stattfindet, die Albergue verlassen :( Es ist keine leichte Entscheidung für sie – immerhin hat sie 7 Jahre dort gearbeitet und die Kinder liegen ihr sehr am Herzen – aber eben aus diesem Grund möchte sie rechtzeitig gehen, sich um eine neue Aufsichtsperson für „ihre kleinen preescolares“ kümmern und die Albergue somit „im Guten“ verlassen. Sowieso plant sie seit langem, einen eigenen Kindergarten zu eröffnen. Heute hat sie den Kaufvertrag für das Haus neben der Papeleria unterschrieben und nun macht sie sich daran, ihre neue Zukunft als Leiterin einer „guarderia“ auszuarbeiten.
Natürlich finde ich es mehr als schade, meine „Schwester“ bald nur noch abends zu sehen und mich nicht mehr mit ihr zusammen um unsere 6 Kleinen zu kümmern, aber ich bewundere ihre Entscheidung und vielleicht ist es auch Zeit für sie, etwas Neues zu beginnen.
Auch mein Alltag in der Albergue wird sich bald ändern: Ian und ich werden den Salon von Mario übernehmen und sozusagen als vollwertige Educadores arbeiten – wahrscheinliche kann Gemma uns dafür sogar eine Bescheinigung ausstellen. Die Arbeit mit den Jungs der 5. und 6. Klasse der Primaria ist nicht einfach, da ich für die 12 und 13 jährigen nicht unbedingt eine Respektperson darstelle, aber mit der Zeit wird sich das schon ändern. Auf jeden Fall werde ich auf diese Weise bald meinen Schimpfwörterwortschatz erweitern können, denn die Jungs sind mit Beleidigungen oft schnell dabei, wenn etwas nicht so läuft wie sie es gerne hätten ;)

So, das waren die neusten Informationen…nun muss ich aber doch noch vom „Dia de los muertos“ (Totentag)erzählen. Dieser war am 1. bzw. 2. November.
Unser eigentlicher (sehr kurzfristiger) Plan war es, am Mittwoch den 1. November zusammen mit Briseno nach Michoacán/ Pátzcuaro zu fahren, da dort der Feiertag am traditionellsten, aufwendigsten und schönsten zelebriert wird. Caren, Ian und ich hatten dicke Sachen eingepackt, denn wir wollten die ganze Nacht auf der Straße verbringen, da wir in dem Ort niemanden zum Übernachten kannten. Trotz eindringlicher Warnung von Gemma meinten wir, zu viert sei das Ganze doch sehr sicher. Dazu muss gesagt werden, dass es in Pátzcuaro während des Jahres zu Schießereien (ich glaube zwischen den Drogenkartellen) gekommen war, und Gemma dementsprechend weniger begeistert von unserem Vorhaben war…allerdings holten wir verschiedene Meinungen ein und es siegte die Pro-Seite ;)
Wir also los zum Casa de Jovenes, wo wir uns mit Briseno treffen wollten, um mit ihm zusammen nach Pátzcuaro zu fahren…jedoch stellte sich vor Ort heraus, dass dieser nun doch mit seiner Familie fahren und den Tag/die Nacht mit seinen Verwandten verbringen würde. Im Klartext: Ian, Caren und ich wären nur zu dritt die ganze Nacht auf der Straße gewesen. Wir haben seeeeehr viel diskutiert und abgewogen und uns schließlich aus Sicherheitsgründen gegen den Ausflug entschieden, wenn auch schweren Herzens.
Was nun folgte, zeugte wieder einmal von der Spontaneität der Mexicaner:
Was machen wir stattdessen? Die Idee war der panteón (Hauptfriedhof) von Guadalajara oder auch der Friedhof von Tlaquepaque…allerdings wurde uns versichert, dass hier in der Stadt der Tag der Toten einfach nicht so traditionell gefeiert wird wie in Pátzcuaro.
Schließlich hatte Ian die grandiose Idee, wir könnten doch in sein „Heimatdorf“ Ocotlán reisen, den Abend auf dem Friedhof verbringen und dann bei seinen Großeltern übernachten. Und so wurde es dann auch gemacht!
Ich kann nur immer wieder von der Gastfreundschaft der Mexicaner schwärmen! Denn man stelle sich vor, wie viele deutsche Großeltern ließen mit ca. 5- stündiger Ankündigung zwei wildfremde Mexicaner in ihrem Haus schlafen, seien es auch Freunde des Enkels? ;) Das ist auf jeden Fall eine Eigenschaft der Menschen hier, die ich mit nach Deutschland nehmen möchte – ihre Offenheit und Freundlichkeit Fremden gegenüber.
Was ihre spontanen „Planungen“ angeht, nunja, da muss ich mich als mehr oder weniger Organisationsmensch noch dran gewöhnen. Aber ich sehe auch einige Vorteile in dieser Planungslosigkeit und mit der Zeit wird es sicher auch für mich normal, dass man ein Vorhaben auch noch kurze Zeit vorher komplett über den Haufen werfen kann – wie etwa unsere Reise nach Pátzcuaro :P
Nun gut, nach Feierabend fuhren Ian, Ramon, Caren und ich zu mir nach Hause, um noch ein paar neue Klamotten für den nächsten Morgen einzupacken und los ging es zum „Central Guadalajara“, von wo aus wir mit dem Bus nach Ocotlán fahren wollten. Ramon begleitete uns als Wegexperte, denn keiner von uns hatte auch nur die leiseste Ahnung, wie wir diesen Bahnhof finden sollten – und im Endeffekt waren wir auch zwei Stunden innerhalb der Stadt unterwegs, um anschließend noch eineinhalb Stunden im Reisebus zu verbringen ;)
Kurz vor 22 Uhr kamen wir dann endlich an und hatten erst einmal Hunger – unsere Wahl viel auf Sushi! Ganz anders als ich es kannte, aber ebenfalls sehr lecker…und ja, in Mexico kann man auch Sushi noch mit Chilli „verfeinern“ :P

"Chillisushi"


Anschließend führte uns Ian durch die kleinen Gassen und präsentierte uns die „Plaza de Ocotlán“ – sozusagen den Hauptplatz. Die Kirche war wunderschön beleuchtet und mir gefiel der Ort unendlich gut, auch wenn laut Ian alles ziemlich hässlich ist und er sich über meine Begeisterung immer kaputtlacht.

Die Kirche von Ocotlán...diese Neon-Kreuze sind auf eigentlich fast allen Kirchen hier zu finden. Geschmackssache ;)



Von dort aus fuhren wir mit dem Taxi zum panteón. An dieser Stelle erkläre ich besser einmal, was es mit diesem Tag der Toten überhaupt auf sich hat:

Der „Dia de los muertos“ ist eine präkolumbische Tradition. Zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November wird in Mexico der Toten gedacht – und zwar in Form eines Festes. Die Idee ist, dass die Toten einmal im Jahr aus dem Jenseits zurückkehren und mit den Lebenden ein Wiedersehen auf dem Friedhof feiern.
Dafür bereiten die Familien regelrechte Altare oder Gabentische vor, auf denen sie die Lieblingsspeisen/ -getränke des Verstorbenen oder auch besonders wichtige Erinnerungsgegenstände, Photos, Blumen und Kerzen platzieren. Viele Mexicaner legen auch einen Spiegel dazu, in dem sich die heimgekehrte Seele wiedererkennen kann und somit weiß, dass sie auf der Erde angekommen ist. Am wichtigsten ist jedoch, dass sich der Verstorbene nach seiner Reise aus dem Jenseits stärken, sich zuhause fühlen und eine feierliche, fröhliche Nacht mit den Hinterbliebenen verbringen kann. Ein Mythos, welcher mir sehr gut gefällt, besagt, dass all die Gerichte und Getränke nach der Nacht keinen Geschmack mehr haben, da der Verstorbene davon gezehrt hat ;)
Aber nicht nur innerhalb der Familie und auf den Friedhöfen wird der „Dia de los muertos“ offenbar: Schon Wochen zuvor werden die Straßen mit traditionellen Blumenmustern, Lampen, Totensymbolen, Papp-Skeletten und Totenköpfen geschmückt. Die Gassen zum Friedhof hin werden mit farbenfrohen Blumenteppichen ausgelegt, damit die Toten den Weg aus dem Jenseits finden können – die orangefarbene Cempasúchil ist die traditionelle „ Flor de Muertos“ (Blume der Toten) Anders als in Deutschland wird dem Tod hier nicht mit Trauer begegnet, sondern der Tag erinnert eher als ein großes, farbenfrohes Volksfest.
Typisch sind vor allem die „Calaveras de Dulce“, Totenschädel aus Zucker oder auch Schokolade, die man sogar mit dem Namen der Toten auf der Stirn verzieren lassen kann. Außerdem wird das süße „Pan de Muerto“ (Brot der Toten) zubereitet – sehr lecker, das kann ich euch versichern ;)

So, genug der Theorie, hier kommen meine persönliche Eindrücke :)
Ich glaube, wenn man es noch nicht selbst erlebt hat kann man sich das bunte Treiben auf dem Friedhof nicht vorstellen. Vor dem Eingangstor wurde eine Art Altar-Wettstreit für berühmte, verstorbene Personen ausgetragen, dementsprechend beeindruckend waren die Gabentische zubereitet. Überall waren Bilder und Muster aus Blumen und Gräsern ausgelegt, Skelette in den skurrilsten Verkleidungen zierten die Altare, die Nacht war voller Musik und Fröhlichkeit – kurzum, es war gigantisch :)
Wir sind dann einige Zeit über den Friedhof gewandert und haben uns die verschiedenen Grabstätten angeguckt…ich muss zugeben, wären die vielen Menschen nicht gewesen, wäre es doch ziemlich gruselig geworden. Hier in Mexico wird man nämlich nicht in der Erde begraben, sondern es existieren Familiengruften, die je nach finanziellen Mitteln wirklich extreme Ausmaße annehmen können. Und bei Nacht wirken solche Gruften dann schon ein wenig gruselig, ich musste immer an Dracula denken ;)
Was mich besonders beeindruckt hat ist, dass viele Menschen tatsächlich die ganze Nacht auf dem Friedhof bei ihren Toten verbringen, um mit ihnen zu feiern – und eine Familie hatte sogar Mariachis bestellt, welche für den Verstorbenen sangen. Es war wirklich beeindruckend, aber auch wenn mir die Tradition unglaublich gut gefällt würde mich glaube ich zumindest die nächtliche Kälte von solch’ einer Übernachtungs-Idee abbringen - mal abgesehen vom Gruselfaktor der eintritt, wenn alle anderen schon wieder in ihre Häuser heimgekehrt sind :P
Übrigens haben auch hier im traditionellen Mexico manche Jugendliche nichts als Blödsinn im Kopf: So haben doch tatsächlich einige Jungs einen Altar ausgeraubt, um anschließend das Essen auf dem Friedhof zu verkaufen – sehr kreativ :D

Der Weg zum Friedhof.


Hier kann man erkennen, dass die Muster wirklich aus getrockneten Blumen und Gräsern bestehen.


Caren und ich mit einem der Skelett-Kunstwerke.

Ein typischer Altar.





Für diejenigen, die gerne mehr über den Weg der Seelen erfahren möchten ;)

Diese "Figur" war echt und hat mich nach dem Photo zu Tode erschrocken!

Auf dem Friedhof.

Ian, Caren und ich sind dann schließlich bei Ians Großeltern eingekehrt (zwei unglaublich nette und gastfreundliche Menschen) und nach einigen Reibereien mit Caren (sie wollte schlafen und hat uns dies auf sehr – sagen wir mal „direkte“ Weise – mitgeteilt) sind uns dann auch die Augen zugefallen ;)
Am nächsten Morgen sind wir dann zusammen mit Ians Großeltern im Van nach Guadalajara zurückgefahren – ohne Sitze. Ist zwar deutlicher unsicherer, aber ich muss sagen so ausgestreckt schlafen zu können hat auch einiges für sich :P

Nachmittags, nach der Arbeit in der Albergue, sind Caren und ich dann noch mit Ramon zu einem tianguis (Markt) im „Parque Morelos“ gefahren, der einzig und allein auf den Dia de los muertos ausgerichtet war: Das heißt, es gab die traditionellen Süßigkeiten, Holzspielzeuge (welche die Kinder in Deutschland wahrscheinlich gar nicht mehr kennen :P) und was ich besonders lustig fand: künstliche Miniaturgerichte oder z.B. auch Miniatur-Colgate-Zahnpasta für die Gabentische :)
Ich musste mir bei der Gelegenheit natürlich einen Zucker-Totenkopf kaufen! :D
Mein Erinnerungsstück an den „Dia de los muertos“ in Mexico…

Mein "Calavera de Dulce" hat sogar Chilli auf dem Kopf ;)

Die traditionellen Holzspielzeuge.

Süße Totenköpfe!

Miniatur- Quesadillas, Tacos und Mais :)

Man bemerke Colgate und Nesquick :P


So sieht eine LEERE Marktgasse aus!


Ich hoffe, ihr könnt euch ungefähr vorstellen, wie ich diesen Feiertag verbracht habe und auf jeden Fall habt ihr nun einiges über die mexicanische Kultur gelernt ;)
Mit ein bisschen Glück melde ich mich bald wieder – das ist meistens abhängig von meinem Wunsch und Bedürfnis nach Schlaf, da ich die Berichte immer abends nach der Arbeit in der Albergue verfasse. Aber ich versuche mich in Zukunft wieder häufiger und dafür kürzer zu melden ;)

Liebste Grüße und viele besitos aus Mexico,
eure Sveni

PS: Ich weiß, dass die Photos qualitativ nicht ganz so der Hit sind…aber das liegt wohl an den nächtlichen Lichtverhältnissen ;)

Donnerstag, 10. November 2011

“Pies, para que los quiero si tengo alas para volar.” - 4 Tage in Mexico D.F.


Buenos Dias :)
Nun habe ich es also tatsächlich geschafft meine Erlebnisse in Mexico zusammenzufassen…hat zugegebenermaßen auch lange genug gedauert. Zu meiner Verteidigung ist zu sagen, dass ich wirklich unendlich viel gesehen und erlebt habe!!
Also los geht’s:
Wichtig zu wissen ist, dass Mago ursprünglich aus D.F. kommt und deshalb eigentlich der Großteil ihrer Familie dort lebt…so auch ihr Patenkind Fatima, die am Samstag Kommunion hatte und somit den Anlass der Familien-Großveranstaltung darbot.
Mittwoch Abend trafen sich Caren, Ian, Mago und ich, um mit dem Bus nach Mexico D.F. zu reisen…um 22:45, da nachts die 7 Stunden Fahrt schneller vorbei gehen :P
Der Bus „PrimeraPlus“ war wirklich super gut ausgestattet, man konnte sich hinlegen und hatte in jedem Fall viel mehr Platz als im Flugzeug! Außerdem bekamen wir sogar ein Lunchpaket…
Auf der Fahrt brachte ich dann bereits den ersten Klopser: Ich musste auf Toilette, im Bus war es finster und als ich zurückkam konnte ich – geblendet durch das Licht im Bad – absolut gar nichts erkennen und wusste demnach nicht, wo mein Platz war. Also stolperte ich erstmal fröhlich drauf los und gerade als ich mir relativ sicher war, an der richtigen Reihe angekommen zu sein, machte der Bus eine kleine Bremsung und schwups saß ich auf meinem Allerwertesten. Ian war sogleich besorgt „Svenja Svenja, q paso??“ (Was ist passiert?) aber da ich mich (im absolut schweigenden Bus) einfach nur kaputtgelacht habe, brachte ich nicht mehr heraus als „Es q…no veo nada“ (Ich sehe nichts) – und das ist mittlerweile in der Albergue zum geflügelten Satz geworden: wenn etwas nicht klappt, dann weil derjenige „nichts sieht“ :P Ansonsten verlief die Fahrt allerdings sehr ruhig und dank Ian kenne ich jetzt auch viele mexicanische Balladen…Reggaeton ist hier nicht angesagt ;)
Dick eingekuschelt...

...ging es los...

...ins kalte Mexico! Angekommen :)
 Um sechs Uhr morgens trafen wir dann bibbernd (denn nachts ist es da unten in D.F. doch sehr kalt) am Hauptbahnhof ein und wurden von Magos Cousin Kiko abgeholt.
Im Hause angekommen (nachdem wir durch die City gebraust waren wie ein Düsenjet und ich mir sicher war, wir würden in unserem Viertel die steilen Berge rückwärts wieder runter rollen) legte sich Caren erstmal wieder eine Runde aufs Ohr und wir anderen gingen Frühstück kaufen: Tamales und Tortas. Das heißt, eine ordentliche Portion Fleisch zum Frühstück :) Aber auch daran kann man sich gewöhnen, vor allem wenn man so ein kleiner Allesfresser ist wie ich!

Erste Impressionen...

...vom erwachenden Mexico.


Fand ich super :) Über den Elektroleitungen hängen immer alte, nicht mehr genutzte Schuhe als Deko!

Ja die Straßen in unserem Viertel sind steil...und meine Absturzängste somit durchaus begründet.
Anschließend brachte uns Kiko zu einer Haltestelle und wir fuhren mit der berühmten Metro, von der alle so begeistert sind ;) Die ist schon cool, dauernd steigen Leute ein, die Sachen verkaufen wollen – am liebsten habe ich natürlich die CD-Verkäufer, denn die bringen auch immer ihre Lautsprecher mit und unterhalten auf diese Weise die gesamte Metro mit Musik! Wir trafen uns mit Christian, einem Freund Magos, der für uns den Fremdenführer spielte.
Zunächst „Palacio de Bellas Artes“. Ein wunderschönes Gebäude, in dem man Gemälde bewundern kann…da Kunst ja bekanntlich nicht ganz so meine Passion ist war ich von dem Gebäude durchaus mehr beeindruckt als von den Werken, allerdings muss ich zugeben, dass mir einige Bilder von Diego Rivera doch sehr gut gefallen haben. Hier in Mexico ist es übrigens üblich, dass man extra dafür bezahlt, in Museen Fotos machen zu dürfen…da kostet dann der Eintritt 30 pesos und die Foto-Erlaubnis noch einmal 40. Was tut man nicht alles für ein wenig Erinnerungsmaterial ;)


Palacio de Bellas Artes

Nicht besonders schwierig zu erraten: Caren, Magito und ich

Das Museum von innen.



Danach gings rauf auf den Torre Latinoamericana, welcher über 45 Stockwerke verfügt. Da wurde mir dann auf der Aussichtsplattform doch ein bisschen anders, allerdings gab es einen Vorteil gegenüber Nordsee-Leuchttürmen: Es stürmte nicht und deshalb war es für mich nicht ganz so schlimm :P Von dort oben konnte man jedenfalls die „ganze“ Stadt überblicken…naja, ein Ende konnte ich ehrlich gesagt nicht entdecken, wahrscheinlich war es in Wirklichkeit nur ein kleiner Teil der Monstermetropole. Außerdem war aber auch der Smog sehr gut zu erkennen, der immer zwischen den Häusern hängt und den Ausblick ein wenig trübt.




Smog ;)

Palacio de Bellas Artes von oben

Ein Ende ist nicht zu erkennen!

Der Zócalo von oben aus betrachtet mit der Kathedrale auf der linken Seite.

Nach unserem Aufstieg machten wir uns auf den Weg zum Zócalo, dem Hauptplatz von D.F. Seine Größe ist wirklich nicht zu verachten, zudem befinden sich an dieser Stelle die imposante Kathedrale und der Palacio Nacional. Die Kathedrale ist von außen wirklich wunderschön, von innen ist sie für meinen Geschmack etwas zu goldig ;) Bemerkenswert ist, dass ich hier in Mexico zum ersten Mal während meiner Kirchenbesichtigungen Menschen in Beichtstühlen knien sehe…es gab beinahe eine Schlange davor. Mexico übertrifft selbst das gläubige Italien ;)


Caren, ich, Ian und Mago vor der Kathedrale.

Eine Riiiiiiesenflagge und ich :)

Nach einer ausreichenden Fotosession, einem leckeren Joghurteis (jaaa, auch hier gilt Donnerstags 2:1!!! Deshalb musste ich auf der Straße noch schnell jemanden aufgabeln, damit wir 3 Pärchen bilden konnten…aber als Güerita ist das hier nicht allzu schwierig :P) ging es dann zum Castillo de Chapultepec. Ein Traum sage ich euch :) Das ist mal ein Schloss in dem ich mir auch vorstellen könnte zu leben! Es ist natürlich unglaublich luxuriös, aber zugleich auch gemütlich und einladend. Und nicht zuletzt hat man einen tollen Ausblick! Caren und ich waren übrigens (wie fast immer) die einzigen, die für die Besichtigung bezahlen mussten…Ian ist immer erst 13 und Mago tut mit ihrem Albergue-Ausweis so, als ob sie Lehrerin wäre :P

Denkmal zu Ehren der Ninos Héroes (Sie wurden bei der Verteidigung des Schlosses in der Schlacht von Chapultepec während des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges getötet)


Die etwas größeren "ardillas" haben hier wenig Respekt vor Menschen.

Meine Hochzeitskutsche :P


Da möchte man doch auch mal speisen, oder etwa nicht?



Die 3 Grazien :)


"propuesta de matrimonio" - Ja, wir hatten viel Spaß :)

Die sehr schönen und unglaublich gepflegten Gärten.

 Auf dem Rückweg kamen wir dann überraschenderweise in eine der berühmt- berüchtigten Demonstrationen Mexico Cities. Ich würde es mal als Hippie-Bewegung beschreiben, bei der die Umwelt und der Marihuanakonsum im Vordergrund zu stehen schienen…auf jeden Fall hing der Geruch von Gras in der Luft ;) Ian hat sich vor Freude gar nicht mehr eingekriegt, denn er wollte schon immer mal den Verkehr und die Demonstrationen in DF erleben…und nun hatte er eindeutig beides. 

Die Super-Demo



Denn als wir, nach einer abendlichen Fotosession mit dem „Angel de la independencia“ auf dem Paseo de la Reforma, mit dem Auto zu dem vereinbarten Starbucks-Treffpunkt fahren wollten brauchten wir ungelogen eine Stunde für einen nicht nennenswert langen Weg. Diese Stadt besteht quasi nur aus Rushhour, das ist wirklich nicht normal :P

Angel de la independencia


 
Den nächsten Tag begannen wir mit Schlafmangel – obwohl wir vier es in unserem Quartier sehr gemütlich hatten, denn ja: auch Ian durfte in unserem Zimmer schlafen! Manchmal überraschen mich die Mexicaner ja doch :P
Es standen die Pyramiden in Teotihuacán auf dem Programm. Wir hatten super Wetter und Dummerchen- Svenja hatte natürlich nicht an Sonnencreme gedacht… also kauften sich Caren und ich kurzerhand sombreros, damit wenigstens ein Sonnenstich vermieden werden konnte. Nun sahen wir natürlich aus wie echte „Gringasas“, als solche werden wir hier nämlich gerne bezeichnet!


Und dann gings rauf auf die „Pirámide del sol“…viele viele Stufen kann ich euch sagen, schließlich ist es die drittgrößte Pyramide der Welt! Aber ist man einmal oben angekommen ist es wirklich unglaublich. Die Aztekenstadt liegt mehr oder weniger in Ruinen, die man von dort oben überblicken kann und zugleich hat man freie Sicht auf die kleinere „Pirámide de la luna“. Oben wehte ein ganz schöner Wind (was die Sache mit dem sombrero ein wenig erschwerte :P) und ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber man fühlte sich einfach frei und in diesem Moment war ich wieder einmal überglücklich, in Mexico zu sein…es ist unschwer zu erkennen, dass mir dieser Ort unendlich gut gefallen hat!

Ausblick von der Sonnenpyramide auf die Mondpyramide.

Die Mondpyramide

So steil ging es hinauf...
...da braucht man schonmal eine Pause zwischendurch ;)

Ian, ich, Magito, Caren und Christian

 
Die Sonnenpyramide von der Erde aus betrachtet.


Natürlich habe ich auch meine persönliche Energie wieder aufgeladen, indem ich einen glänzenden Stein auf der obersten Plattform berührt habe…gestärkt von den Azteken-Kräften machten wir uns (nach vielen vielen Photos) anschließend an den Abstieg um danach die zweite Pyramide zu erklimmen – wir sind uns sicher, unseren Energiehaushalt damit wieder geleert zu haben ;)

Hier lade ich meine Energie auf :)


"La banda" vor der Mondpyramide

Ausblick auf Teotihuacán von der Mondpyramide aus...im Hintergrund sieht man die große Sonnenpyramide.

 
Das absolute Highlight des Tages war allerdings –abgesehen vom kulturellen Aspekt – „la caida de Mago“, der Fall Magos. Sie wollte mit Christian ein Wettrennen bis zur Spitze der Mondpyramide machen, scheiterte allerdings an der Höhe der einzelnen Stufen…und stürzte…2 MAL :D Ian, Caren und ich haben uns unten vor Lachen nicht mehr eingekriegt, während alle Leute verdattert auf die offensichtlich etwas verrückte Mago starrten, die sich immer wieder aufrappelte, um weiter um den längst verschenkten Sieg zu kämpfen! Und unten schrie ein Officer verärgert, dass Rennen verboten sei – es war göttlich! :D Leider ist mir die Veröffentlichung sämtlicher Bildmaterialen verboten worden…
Zum Abschluss des wunderbaren Tages dinierten wir in einem super gemütlichen Open-air-Restaurant, aßen leckere mexicanische Gerichte, tranken Tequila und Pina Colada und waren glücklich :)
Beendet wurde der Tag dann wieder einmal bei Starbucks, unserem Lieblingstreffpunkt mit Kiko…langsam wurden wir fast zu Stammkunden.

Mexicos Kakteenlandschaft im Sonnenuntergang.
 
Samstags schliefen wir erstmal aus, bevor es dann an die Festvorbereitung ging: für Fatis Kommunion und den 2. Geburtstag ihres Bruders Diego.
Die Erstkommunion wird auch hier in Mexico in weißem Kleidchen, mit viel Schnickschnack im Haar und einer Messe begangen…anschließend ist es dann aber doch etwas anders als in Deutschland. Während bei uns mit der Familie Kaffe getrunken wird, handelte es sich hier um eine Riesenfeier –jedenfalls in meinen Augen. Naja, wenn die Familie schon aus mehr als hundert Leuten besteht ist das ja auch kein Wunder :)
Es gab ein typisch mexicanisches Gericht, welches sich mixiote nennt und aus Hühnchen in Mole (eine besondere Soße) besteht. Wie immer sehr lecker, auch wenn sich alle immer über mich lustig machen, weil ich es bevorzuge mit Löffel und Tortilla anstatt mit Fingern und Tortilla zu essen…aber mit der letzteren Methode sau ich mich immer ein :P
Das Beste an der Feier war für mich eine Hüpfburg, die für die Kinder aufgebaut wurde, später am Abend aber auch für Wettspielchen mit den Erwachsenen verwendet wurde. Vormittags war ich eigentlich mehr dort als woanders, ich bin halt doch noch ein Kind. Leider konnte ich da aber abends nicht mehr mitspielen, denn im Kleid wäre das Ganze wahrscheinlich nicht so gut ausgegangen ;)
Außerdem waren Clowns dort und haben eine lustige Show abgeliefert, wenn ich auch zugegebenermaßen nicht alle Witze verstanden habe…

Die wunderhübsche Fatima und ich.

Klein-Diego als Roboter von Toy Story verkleidet :)
 
Was ich ebenfalls bemerkenswert fand ist, dass die Kinder hier nicht nur (wie zum Beispiel auch in Spanien) immer bis zur letzten späten (!!!) Minute der Feier mit dabei sind, sondern dass sie auch einfach mal so Eierlikör trinken :P Fati bot mir ein Glas an und meinte „Probier mal, das trinke ich immer total gerne“ – ich nehme einen großzügigen Schluck und war dann doch sehr überrascht. Das Getränk nennt sich Rompompe.
Übrigens wurde mir wieder einmal gesagt wie jung ich doch aussehe, das bin ich ja schon gewöhnt…aber der Senor wollte Caren und mich doch allen Ernstes für 15 halten, da hört der Spaß doch auf :)
Später am Abend gingen Caren, Ian, Mago und ich auf eine feria (Kirmes) – es war ein wenig so, wie in alten Filmen. Für alles diejenigen, die „The notebook“ kennen, so ungefähr kann man sich das ganze vorstellen. Wir aßen platanos fritos (frittierte Bananen), probierten die spezielle Elote- Zubereitung Mexicos (Mais mit Crema und Käse) und schließlich gingen wir natürlich auch auf die Fahrgeschäfte…im Kleid natürlich eine super Idee, wie mir dann auffiel :P Aber irgendwie konnte ich es doch immer festhalten…
Ian fühlte sich die ganze Zeit über wie Casanova höchstpersönlich – es war auch nicht zu übersehen, dass Caren und ich offensichtlich die Attraktion des kleinen Festes waren und er war stolz, uns als „seine“ Chicas (oder auch „Schnecken“) bezeichnen zu können. Natürlich hat er auch gut auf uns aufgepasst, wie das ein echter caballero eben so macht ;) Wir hatten unendlich viel Spaß, insbesondere auf den Tazitas (den drehenden Tassen) – anschließend war mir so schwindelig, dass ich mir erstmal eine Beule zugezogen habe als ich gegen eine Laterne gelaufen bin :P

Mhmmm..Elotes!

Caren, Ian und ich auf der Mini-Achterbahn.
 
Auf dem Rückweg kam es noch zu einer super lustigen Geschichte, da Ian und Mago meinten sie könnten doch auch mal eine Sprungfigur aus dem neu gelernten Discofox ausprobieren...an der abschüssigen Straße ging das allerdings mehr als schief und die zwei kugelten auf dem Boden herum. Es war zum Schießen!!!
Allgemein kann man sagen, dass wir uns prächtig amüsierten, auch als es später in der Nacht zu Salsa- und Discofox-Kursen, sowie einem Regueton/Shakira Tanz-Battle zwischen Mexico (Fati) und Deutschland (mir) kam – ich zog den Kürzeren würde ich sagen :P

Am Sonntag trafen wir uns mit einer Freundin Ians (er hat in ganz Mexico verteilt irgendwelche Freunde) und wir fuhren nach Coyoacán, um dort das Casa Azul – das Haus Frida Kahlos und Diego Riveras – zu besichtigen.
Wir fuhren mit dem microbus (so nennen sich hier die Busse) und der metro und waren wie immer die absoluten Blickfänger…so hieß es ein ums andere mal „Welcome to Mexico Güeritas!“! Über diesen und andere Kommentare kann ich mich persönlich immer unendlich amüsieren, Caren stört das Ganze dagegen sehr. Ich hoffe sie wird sich daran gewöhnen, sonst wird sie sich in diesem Jahr noch viel ärgern müssen ;)
Coyoacán ist ein wunderschöner Stadtteil von Mexico, die Häuser sind unglaublich hübsch und alles wirkt irgendwie ein wenig künstlerisch angehaucht. Mich hat es begeistert! Aufgrund von Halloween und dem folgenden „Dia de los muertos“ war die Stadt an diesem Tag voller Trubel und Menschenmassen, es gab so viel zu sehen und zu bestaunen: Ein riesiger Markt, viele kleine Ständchen allein für den Dia de los muertos, ein Tianguis, hunderte von verschiedenen Essensständen, Düfte von Speisen die ich nicht kenne…es war absolut toll! ;) Übrigens kann man hier auch gefüllte Churros essen, z.B. mit Schokolade, Eierlikör, Mango und vielem mehr. Ich bevorzuge aber doch die Weihnachtsmarkt-Variante ;)

Ausstellungen für den "Dia de los muertos"

Hier zum Beispiel ein typisches Altarkunstwerk aus verschieden Gräsern und Blumen.

Die Kirche Coyoacáns

Menschenmengen auf den Straßen...

...und die Nettesten haben wir uns für ein Photo ausgesucht ;)
  
Auch das Haus von Frida Kahlo hat mir mehr als gut gefallen. Es ist riesig groß und super interessant gestaltet, sodass man ohne Lageweile viele ihrer Werke begutachten und zugleich mehr über ihr Leben erfahren kann. Besonders hängen geblieben sind bei mir Fridas Erläuterungen zu einer Farbpalette. Zu grün sagt sie: „verde (grün) = Blätter, Traurigkeit, Wissenschaften, ganz Deutschland ist in dieser Farbe“.
Außerdem trafen wir noch ein deutsches Mädchen, das ich für Ian ansprechen und um ein Foto bitten sollte. Eigentlich hatten wir die Abmachung, dass er danach „Danke, Schnecke“ sagt, aber das hat er sich dann nicht mehr getraut :P

Das Gemälde "Viva la vida"

Symbol für Frida Kahlos Leid unter der -durch einen Unfall verursachten- Unfruchtbarkeit.

Die Küche von Diego und Frida.



Die Gärten des "Blauen Hauses"


"Diego en mis pensamientos" - ich werde wohl nie vergessen, wie wir es im Spanisch-LK analysiert haben ;)

Die kleine Pyramide steht ebenfalls in den Gärten.
Die unglaublich beliebten Tostadas!!

Que ricas!!!!!!

Am Abend aßen wir die berühmten Tostadas von Coyoacán und dann gings zurück nach Haus…wir brauchten Stunden (diese Stadt hat einfach keine Grenzen), hatten aber trotzdem unendlich viel Spaß. Beispielsweise als Ian mich in der überfüllten Metro zum Banda-Tanzen aufforderte und wir beinahe durch die halbe Metro flogen als diese bremste (ja, es existiert ein Video) .D Mittlerweile kennen alle Kinder der Albergue diese Geschichte (Mago musste es den Kleinen erzählen) und nun kommt regelmäßig die Frage „Svenja, warum hast du denn in der Metro mit Ian getanzt??“
Zurück im Haus hieß es Abschied nehmen und um 22:15 ging es für uns alle zurück nach Guadalajara.

"Adios...

...Mexico D.F.!"
 Diesmal waren wir alle so müde, dass wir eigentlich die gesamte Fahrt verschliefen und erst bei der Ankunft um 6 Uhr wieder erwachten. 
Leider hieß es dann schnell duschen und übermüdet ab zur Arbeit in die Albergue…wie man sich vorstellen kann, war unsere mentale Verfassung nicht die Beste, aber irgendwie war es doch schön wieder bei den Kleinen zu sein.

So, das waren meine wundervollen Erlebnisse in der Hauptstadt D.F.… ich weiß, es ist viel geworden, aber ich hoffe ich habe euch trotzdem nicht zu sehr gelangweilt und vielleicht machen die Photos das ganze ja ein wenig attraktiver ;)
Ich glaube es ist unschwer zu erkennen, dass wir eine super Zeit hatten!!!!!
Die liebsten Grüße aus dem schönen Mexico und eine Weisheit Frida Kahlos zum Abschluss:

“Pies, para que los quiero si tengo alas para volar.”
-- „Was brauche ich Füße, wenn ich Flügel habe zum Fliegen?“

Eure Sveni