„El regreso“
Ein Jahr ist
vergangen, 12 Monate habe ich in Mexiko gelebt, mich dort zuhause gefühlt
- mit einem Mal
soll das vorbei sein?!
Es erscheint
mir unrealistisch…die ersten Tagen flogen wie im Traum vorbei und Zeit zum
Nachdenken, zum Reflektieren blieb mir kaum.
Erst das
Nachbereitungsseminar schuf etwas Raum zum Ankommen, gab Möglichkeit zum
Austausch und auf diese Weise zur Verarbeitung des Erlebten.
Mein weltwärts-
Jahr war eine Zeit voll neuer Erfahrungen, neuer Eindrücke und vielen
Emotionen; eine Zeit, in der ich unendlich viel über andere Kulturen, andere
Menschen aber insbesondere über mich selbst gelernt habe.
Es wird gesagt,
in einem solchen Jahr gibt man ein wenig von sich selbst, unterstützt die Menschen
im jeweiligen Gastland – doch vor allem gewinnt man so viel, bekommt so viel
geschenkt. Dies würde ich ohne Zweifel unterschreiben.
Ich weiß, dass
ich in meinem Projekt viel gearbeitet habe und eine große Unterstützung für die
dort angestellten Erzieher war. Vielleicht konnte ich einigen Kindern nicht nur
bei den Hausaufgaben helfen, sondern konnte ihnen auch ein Vorbild
sein…vielleicht konnte ich ihnen zeigen, wie wichtig Bildung ist, was es
bedeutet respektvoll mit anderen Menschen umzugehen, etwas was sie
möglicherweise von ihrem Elternhaus nicht kennen. Und vielleicht konnte ich
ihnen die Liebe schenken, die ihnen anderorts fehlt…
Dank
zahlreicher Dankesworte und – Gesten bin ich mir darüber bewusst, dass ich
nicht die Einzige bin, die von meinem Auslandsaufenthalt profitiert hat,
sondern dass auch meine mexikanischen Freunde und Bekannte viel von mir und
meiner Kultur gelernt haben. Es war wahrlich ein „kultureller Austausch“, bei
welchem auch sie viel von der westlichen Kultur und deren anderen Denk- und
Verhaltensweise mitgenommen haben.
Sicher ist
jedoch, dass ich die Person bin, die am meisten gewonnen hat.
Mit den Monaten
habe ich mich immer mehr in die mexikanische Kultur eingelebt, ich habe die
Sprache gelernt und mir einen Freundeskreis aufgebaut.
Und im Verlauf
der Zeit ist das Land für mich wahrlich zu einer zweiten Heimat geworden, in
welcher ich mich gleichwertig angenommen, geliebt und willkommen gefühlt habe
wie in Deutschland.
Der Einblick in
eine so andere Kultur hat – wie man so schön sagt – meinen Horizont erweitert
und mich in meinem Charakter und in meinen Einstellungen wachsen lassen. Zwar
hätte ich mich bereits zuvor als einen offenen Menschen beschrieben, doch habe
ich in dieser Zeit erst recht gelernt auf fremde Menschen zuzugehen, ohne
jegliche Vorurteile oder vorgefertigte Meinungen. Ich bin unabhängiger, ich
weiß meine eigenen Entscheidungen zu treffen und ich weiß, was ich schaffen
kann.
Und darauf bin
ich stolz.
Nach den
unglaublichen Erfahrungen stehe ich nun vor einem Problem, welches mir viel gewaltiger
erscheint: Zurückkommen.
Der Abschied
fiel mir sehr schwer…und nun bin ich hier in Deutschland und fühle mich doch
noch immer so verbunden mit Mexiko. Es ist ein seltsames Gefühl, das nur sehr
wenige Menschen nachvollziehen können.
An dieser
Stelle half mir das Nachbereitungsseminar und ich weiß nun, warum dieses
zeitlich so kurz nach unserer Rückkehr stattfand.
Ich fühlte mich
sehr wohl im Kreis der Freiwilligen, welche zwar in anderen Ländern und
teilweise sogar auf anderen Kontinenten ihren Dienst geleistet, doch trotz
alledem auch ähnliches erlebt haben.
Der Austausch
mit ihnen, das Teilen von Problemen und schönen Erlebnissen sowie Gespräche
über Zukunft, Ängste und Sorgen war für mich ungeheuer wichtig und die Möglichkeit,
noch einmal mehr über andere Kulturen zu lernen und Gemeinsamkeiten zu finden
war wirklich toll.
Denn auch die
mir nah stehen Menschen, die sich wirklich für das Erlebte in Mexiko
interessieren und mit mir darüber sprechen, werden eben diese Aspekte nie in
vollem Maße nachvollziehen können… ich habe das Gefühl, um das Erlebte aufzuarbeiten
benötige ich den Kontakt zu anderen Freiwilligen, die sich evtl. in ähnlichen
Situationen befinden wie ich.
Zudem gaben uns
die Teamer des Seminars neue Anstöße und Denkansätze, welche mir nun helfen,
mit meinem neuen Leben in Deutschland zurecht zukommen, mich neu zu orientieren
und die positiven Seiten der hiesigen Gesellschaft für mich zu erkennen.
Auch das in
Anspruch zu nehmende Rückkehr-Engagement hilft mir, mich wieder einzuleben und
zu gleicher Zeit mein mexikanisches Leben nicht völlig hinter mir zu lassen.
Auf diese Weise
komme ich jeden Tag ein wenig mehr in Deutschland an und mit Beginn des
Studiums wird sich sicher ein neuer Alltag einpendeln.
Allerdings bleibt
momentan noch das Gefühl, nur „auf Urlaub“ hier in Deutschland zu sein, das
Gefühl dass es bald zurück „nach hause“ geht… es ist wichtig für mich, die
innere Verlorenheit zu überwinden.
Das Gefühl
irgendwo „dazwischen“ zu hängen – zwischen den beiden Welten, die nun
gleichwertig zu meiner Person gehören und doch so schwer zu vereinen sind.







