Donnerstag, 13. September 2012

4. Quartalsbericht



„El regreso“

Ein Jahr ist vergangen, 12 Monate habe ich in Mexiko gelebt, mich dort zuhause gefühlt
- mit einem Mal soll das vorbei sein?!
Es erscheint mir unrealistisch…die ersten Tagen flogen wie im Traum vorbei und Zeit zum Nachdenken, zum Reflektieren blieb mir kaum.
Erst das Nachbereitungsseminar schuf etwas Raum zum Ankommen, gab Möglichkeit zum Austausch und auf diese Weise zur Verarbeitung des Erlebten.

Mein weltwärts- Jahr war eine Zeit voll neuer Erfahrungen, neuer Eindrücke und vielen Emotionen; eine Zeit, in der ich unendlich viel über andere Kulturen, andere Menschen aber insbesondere über mich selbst gelernt habe.
Es wird gesagt, in einem solchen Jahr gibt man ein wenig von sich selbst, unterstützt die Menschen im jeweiligen Gastland – doch vor allem gewinnt man so viel, bekommt so viel geschenkt. Dies würde ich ohne Zweifel unterschreiben.
Ich weiß, dass ich in meinem Projekt viel gearbeitet habe und eine große Unterstützung für die dort angestellten Erzieher war. Vielleicht konnte ich einigen Kindern nicht nur bei den Hausaufgaben helfen, sondern konnte ihnen auch ein Vorbild sein…vielleicht konnte ich ihnen zeigen, wie wichtig Bildung ist, was es bedeutet respektvoll mit anderen Menschen umzugehen, etwas was sie möglicherweise von ihrem Elternhaus nicht kennen. Und vielleicht konnte ich ihnen die Liebe schenken, die ihnen anderorts fehlt…
Dank zahlreicher Dankesworte und – Gesten bin ich mir darüber bewusst, dass ich nicht die Einzige bin, die von meinem Auslandsaufenthalt profitiert hat, sondern dass auch meine mexikanischen Freunde und Bekannte viel von mir und meiner Kultur gelernt haben. Es war wahrlich ein „kultureller Austausch“, bei welchem auch sie viel von der westlichen Kultur und deren anderen Denk- und Verhaltensweise mitgenommen haben.
Sicher ist jedoch, dass ich die Person bin, die am meisten gewonnen hat.
Mit den Monaten habe ich mich immer mehr in die mexikanische Kultur eingelebt, ich habe die Sprache gelernt und mir einen Freundeskreis aufgebaut.
Und im Verlauf der Zeit ist das Land für mich wahrlich zu einer zweiten Heimat geworden, in welcher ich mich gleichwertig angenommen, geliebt und willkommen gefühlt habe wie in Deutschland.
Der Einblick in eine so andere Kultur hat – wie man so schön sagt – meinen Horizont erweitert und mich in meinem Charakter und in meinen Einstellungen wachsen lassen. Zwar hätte ich mich bereits zuvor als einen offenen Menschen beschrieben, doch habe ich in dieser Zeit erst recht gelernt auf fremde Menschen zuzugehen, ohne jegliche Vorurteile oder vorgefertigte Meinungen. Ich bin unabhängiger, ich weiß meine eigenen Entscheidungen zu treffen und ich weiß, was ich schaffen kann.
Und darauf bin ich stolz.

Nach den unglaublichen Erfahrungen stehe ich nun vor einem Problem, welches mir viel gewaltiger erscheint: Zurückkommen.
Der Abschied fiel mir sehr schwer…und nun bin ich hier in Deutschland und fühle mich doch noch immer so verbunden mit Mexiko. Es ist ein seltsames Gefühl, das nur sehr wenige Menschen nachvollziehen können.
An dieser Stelle half mir das Nachbereitungsseminar und ich weiß nun, warum dieses zeitlich so kurz nach unserer Rückkehr stattfand.
Ich fühlte mich sehr wohl im Kreis der Freiwilligen, welche zwar in anderen Ländern und teilweise sogar auf anderen Kontinenten ihren Dienst geleistet, doch trotz alledem auch ähnliches erlebt haben.
Der Austausch mit ihnen, das Teilen von Problemen und schönen Erlebnissen sowie Gespräche über Zukunft, Ängste und Sorgen war für mich ungeheuer wichtig und die Möglichkeit, noch einmal mehr über andere Kulturen zu lernen und Gemeinsamkeiten zu finden war wirklich toll.
Denn auch die mir nah stehen Menschen, die sich wirklich für das Erlebte in Mexiko interessieren und mit mir darüber sprechen, werden eben diese Aspekte nie in vollem Maße nachvollziehen können… ich habe das Gefühl, um das Erlebte aufzuarbeiten benötige ich den Kontakt zu anderen Freiwilligen, die sich evtl. in ähnlichen Situationen befinden wie ich.
Zudem gaben uns die Teamer des Seminars neue Anstöße und Denkansätze, welche mir nun helfen, mit meinem neuen Leben in Deutschland zurecht zukommen, mich neu zu orientieren und die positiven Seiten der hiesigen Gesellschaft für mich zu erkennen.
Auch das in Anspruch zu nehmende Rückkehr-Engagement hilft mir, mich wieder einzuleben und zu gleicher Zeit mein mexikanisches Leben nicht völlig hinter mir zu lassen.
Auf diese Weise komme ich jeden Tag ein wenig mehr in Deutschland an und mit Beginn des Studiums wird sich sicher ein neuer Alltag einpendeln.

Allerdings bleibt momentan noch das Gefühl, nur „auf Urlaub“ hier in Deutschland zu sein, das Gefühl dass es bald zurück „nach hause“ geht… es ist wichtig für mich, die innere Verlorenheit zu überwinden.
Das Gefühl irgendwo „dazwischen“ zu hängen – zwischen den beiden Welten, die nun gleichwertig zu meiner Person gehören und doch so schwer zu vereinen sind.

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