Dienstag, 3. Juli 2012

"El Chepe"



Meine Lieben,
nach Monaten der Stille kommt mal wieder ein kleiner Eintrag über mein mexicanisches Leben :)

Im Mai kamen Tills Mama und ihr Lebensgefährte zu Besuch, was viel Sightseeing und einen wunderschönen Urlaub mit sich brachte.
Wir erkundeten das Zentrum Guadalajaras (was ich ehrlich gesagt in seiner Größe und Schönheit noch immer nicht ganz erfasst habe), fuhren nach Chapala und nach Tlaquepaque.
Hier ein paar Eindrücke unserer Ausflüge:

Unsere schöne Kathedrale

Typische Straßen der Innenstadt

Der "Autofreie Sonntag" - viele Hauptstraßen sind teilweise nur für Radfahrer passierbar, jedes Wochenende!

"San Juan de Dios"- der größte, überdachte Markt Lateinamerikas






Tills Mama, seine Vermieterin, Till und ich :)

Till mit einem seiner Mädchen von der Straße

Neugierig und schüchtern zugleich ;)

Revolutionsvater Hidalgo und wir drei in Tlaquepaque

Chapala



Genau, hier in Mexico verschenkt man zum nationalen Kindertag auch schonmal arme kleine Küken - hallo Tierschutz!





Chiles rellenos - gefüllte Chilli! Mhmm :)

"Betreten des Rasens verboten" - vom drauf rum rollen hat ja niemand gesprochen :P

Außerdem verbrachte ich mit Till einen tollen Abend im Theater Guadalajaras – dem „Teatro Degollado“ – in welchem wir das Orquesta Filarmónica de Jalisco bewundern durften. Das Theater ist wirklich beeindruckend schön und insbesondere bei solchen Anblicken erscheint die Bezeichnung „3. Welt-Land“ in Bezug auf Mexico so realitätsfern und unpassend…doch allzu schnell kann sie wieder präsent werden, verlässt man dieses prächtige Gebäude und wird auf der Straße von einem kleinen Kind nach einem “peso für Essen“ gefragt…Widersprüche dieses Landes.





 
Vom 02.-05. Mai unternahmen wir zu Viert eine wunderschöne Reise von Los Mochis nach Chihuahua: in dem Zug „Ferrocarril Chihuahua al Pacífico“, genannt „Chepe“, ging es durch die atemberaubende Sierra Madre Occidental/ Sierra Tarahumara – mit einem Höhenunterschied von 2400m – von dem Küstenstaat Sinaloa nach Chihuahua.
Die Strecke führt durch die Barranca del Cobre (Kupferschlucht), welche als eine der größten Schluchtengebiete Nordamerikas bekannt ist. Dabei überquert der Zug insgesamt 37 Brücken und fährt durch 87 Tunnel – weshalb die Strecke als eine der beeindruckendsten Ingenieurs-Leistungen des Landes bezeichnet wird.
Für uns ging es mittwochmorgens in aller Früh zum Flughafen Guadalajaras, von dort aus reisten wir in die Küstenstadt Los Mochis und checkten in einem wirklich komfortablen Hotel ein. Ein Mädchen wie mich, ohne große Hotel- Erfahrungen kann man mit solch kleinen Prachtbauten und dem wahrscheinlich dem Standard entsprechenden Service leicht beeindrucken ;)
Am Nachmittag erkundeten wir die Stadt, welche zugegebenermaßen außer Schwüle und viel Müll nicht allzu viel zu bieten hatte. Deshalb beschlossen wir eine Fahrt zum Hafen zu unternehmen.
Dort angekommen wurden wir sogleich, wie sollte es auch anders sein, von den zahlreichen Bootbesitzern angesprochen, welche uns auf eine kleine Rundfahrt „einladen“ wollten ;) Wir ließen uns überzeugen und genossen so 1 ½  Stunden das Meeresrauschen und die salzige Brise des Pazifiks. Die absolute Sensation waren dann aber die Delfine, die sich ganz nahe an das Boot heran wagten und somit im wahrsten Sinne des Wortes „zum greifen nah“ erschienen. Georg und ich knipsten wie eifrige Paparazzi, doch aufgrund der als doch recht wendig zu bezeichnenden Schwimmtechnik der schönen Tiere, wurden wahrscheinlich selten so viele Fotos von nichtssagenden Wellen geschossen :P

Ersteinmal muss das Gepäck der bösen europäischen Drogenhändler auch ordentlich überprüft werden ;)


"Cristo salva" steht auf dem Hügel - na, wer verstehts? Lateiner voran ;)




"Flipper" ganz nah :)



 

Abends speisten wir wie die Könige in einem spanischen Restaurant und Till und ich aßen eine äußerst leckere Paella – nach zahlreichen Tacos, Tostadas, Carnitas und Quesadillas kann man sich so etwas wohl einmal leisten :)



Am nächsten Morgen wurden wir zum Bahnhof gefahren und von dort aus begann eine atemberaubende Fahrt durch die Schluchten des mexicanischen Gebirges. Die Wagons waren sehr komfortabel eingerichtet, nur war das Essen im Speisewagen nicht zu bezahlen: 5 € für Rühreier??? Da fällt man ja vom Glauben ab…und wir hatten leider jegliche Verpflegung vergessen, sodass wir uns mit Saladitas (TUC-ähnlichen Keksen) über Wasser halten mussten. Zum Glück konnte man die Landschaft von einem halb geöffneten Wagon aus bewundern, sodass der Anblick den Hunger fast vergessen ließ ;)


Das begehrteste Fenster des Zuges

Auch in den nörlichen Bundesstaaten fehlt Regen













Und wie auf jeder Reise lernt man immer nette Menschen kennen :)


Und Sie sehen: den "Primavera-Brand" Nummer 2

In der Berglandschaft der Barranca haben viele Indigenas ihr Zuhause - schön, im Kontrast mit der mexicanischen Polizei ;)




Am frühen Nachmittag kamen wir an der Estación „Posada Barranca“ an, von welcher wir von einem Angestellten unseres Hotels abgeholt und zum „Hotel Mirador“ gefahren wurden. Unsere Unterkunft kann mit keinem anderen Wort als genial bezeichnet werde! Die Zimmer konnten nach einem (für Menschen mit 9 Monaten Sportabstinenz) atem-erschwerenden Aufstieg erreicht werden und befanden sich unmittelbar am Abhang der Schlucht. Nach Überwindung meiner Höhenangst konnte ich den unbeschreiblichen Ausblick auch genießen und war wie verzaubert von der vor mir liegenden Schlucht- und Berglandschaft.


Ausblick von der Terrasse.



Das Haupthaus / die Hauptburg des Hotels :)


Nach einem stärkenden Mittagsmahl erkundeten Till und ich die Umgebung (endlich kamen meine Wanderschuhe auch zum Einsatz) und blamierten uns ein wenig vor ein paar Indigena-Kindern :D Die Wörter „beso“ und „peso“ klangen aus ihrem Munde aber auch zum Verwechseln ähnlich!!



Ein atemberaubender Ausblick!!

"Peso, peso!" - oder "Beso, beso"????! :D

Ein Maus-Kaktus

Für Papi ;)




Den Abend genossen wir bei einem köstlichen Abendbrot, beim Anblick der im roten Licht der untergehenden Sonne versinkenden Berglandschaft und bei meiner ersten Partie Kuhhandel – ein sehr zu empfehlendes Gesellschaftsspiel, auch wenn sich mein Talent ganz  offensichtlich in Grenzen hält ;)

Kolibris beim Abendbrot


Der Bar-Raum war von innen mit Visitenkarten der Gäste tapiziert!

Der nächste Morgen wartete mit etwas ganz Besonderem auf Till und mich :) Wir unternahmen einen Ausritt und so ging es auf dem Rücken unserer Pferde durch die schöne Barranca. Bis zum Schluss war ich mir nicht ganz sicher, ob ich nicht versehentlich auf eine Bergziege geklettert war, denn die „Wege“, welche mein Pferd unermüdlich erklomm waren für Pferdehufe nun wirklich nicht gedacht :D
Doch unsere Tiere fanden immer einen sicheren Tritt und nur einmal „verlief“ sich Tills Pferd ein wenig und wollte sich gegen seinen Willen den Abhang herunterstürzen – ich führe das auf falsche Hilfen seinerseits zurück, Till stritt dies jedoch ab :P
Wir genossen 2 wunderschöne Stunden vor einem atemberaubenden Panorama, wurden Zeugen eines indigenen Regentanzen (von welchem ich aus Respekt leider keine Fotos habe) und sahen den typischen rot- gefärbten Baum dieser Region – den „Árbol de Madroño“.



Ein Fisch-Augen-Pferd wie damals beim Reiten :)



Cowgirl :D
 



„Árbol de Madroño“

 Nachmittags ging es dann weiter in einem auf gefühlte 5 °C runter gekühlten Zug, doch dank Jogginghose im Gepäck war auch das zu ertragen. Schließlich kamen wir – typisch mexikanisch mit 2 Stunden Verspätung – am Bahnhof in Chihuahua an und wurden zu unserem Hotel gefahren. Ausgehungert hofften wir auf Zimmerservice, Pizza-Lieferdienst oder zumindest einen Tacostand an der nächsten Ecke – aber nein, im „gefährlichen“ Chihuahua schließt bereits alles um 22 Uhr. Also mussten wir mit knurrenden Mägen zu Bett, was jedoch durch komfortable Zimmer und ein hammer Frühstücksbuffet am nächsten Morgen wieder wettgemacht wurde.

Unser Abschiedskommitee


Indigena-Handwerk.


Wie aus einem alten Western :P





Ich würde die Kinder immer so gerne mit in die Albergue nehmen...


Zugfahrt in den Sonnenuntergang.


Luxus-Frühstück am nächsten Morgen - das macht glücklich! :)
              
Schließlich ging es für die anderen 3 weiter nach Cancún und ich „genoss“ die 16- stündige Busfahrt zurück nach Guadalajara ;)
Es war ein wirklich toller Kurzurlaub, vielen Dank an alle, die Teil dieser Reise waren!

3 Kommentare:

  1. Was für ein schöner Eintrag. Ich freue mich riesig darauf - zumindest einen Teil - von Land und Leuten und besonders DICH bald live zu sehen.

    Papa

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  2. Liebe Svenja.
    Auch ich freue mich schon riesig auf dich und bin mir sicher,dass wir eine tolle Zeit verbringen werden.Mexico hat doch wirklich viel zu bieten,aber am meisten freue ich mich auf deine Freunde

    Muchos besos
    Mama

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  3. Das sieht so toll aus! Kommst du mich besuchen und spielst auch in Texas Cowgirl? Das hast du ja drauf ;)
    Die liebsten Grüße,
    Anna

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