Mittwoch, 19. Oktober 2011

Handball mexikanisch


Hola amigos :)
Wieder einmal ist eine Woche um – die erste mit deutscher Unterstützung an meiner Seite!
Und was ist besonderes passiert? Vielleicht könnte man sagen, dass es schon außergewöhnlich ist, wenn es hier in Guadalajara zwei Tage am Stück regnet und die Straßen sich in Wildwasserflüsse verwandeln ;) Dies hatte unter anderem zur Folge, dass Ramon seine Stärke unter Beweis stellen konnte: Caren, er und ich gingen zusammen Tortillas kaufen und da wir kaum trockenen Fußes eine Straße überqueren konnten, spielte Ramon kurzerhand Christophorus und trug uns über jedes Flüsschen – das nenne ich mexicanische Galanterie ;)
Außerdem feierten wir am 12. Oktober den „Día de la conquista de America“. Die Prescolares mussten sich verkleiden und führten dann im Kindergarten die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus in Form von Standbildern auf. Edson war ein kleiner Fischer, Roberto, Diego und Memo waren Matrosen und Emilio ein Junge vom Strand :) Die Matrosenmützen haben Mago und ich übrigens in mühevoller Arbeit gebastelt – ja, ihr hört richtig, ich habe gebastelt! Es wäre übertrieben zu sagen, dass es mir Spaß macht dauernd irgendwelche Sachen für den Kindergarten zusammenzukleben, aber es gibt durchaus Schlimmeres ;)
Das Flagschiff „Santa Maria“ haben wir übrigens ebenfalls gebaut, wenn es auch mehr einem Sarg als einem Schiff ähnelt…
In jedem Fall war die Aufführung sehr sehr niedlich und typisch für das mexicanische Nationalgefühl, wurde zu Beginn mit feierlicher Marschmusik die Flagge über den Hof getragen (Robertito war einer der stolzen Flaggenträger!) und die Hymne gesungen. Ich hörte sie zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal und ich muss sagen, sie ist wirklich sehr schön…ich werde mal den Text lernen.

Unsere "Santa Maria"

 Memo, Edson und Diego

Die kleinen Matrosen ;)

Edson, Roberto, Diego, Memo und Emilio

Hier sticht Kolumbus mit seiner Crew in See...

...nachdem er vorher bei der Königin um Unterstützung gebeten hat ;)


Zum Abschluss gab es "Tacos dorados"

Und Roberto scheint es zu schmecken :)

Der Fischerjunge Edson

Das Bild hab ich in einem der Kinderbücher gefunden und dachte "Hey, diese Züge kennst du doch": Die deutsche Bahn

An einem Nachmittag mussten die Eltern der Preescolares im Kindergarten eine Geschichte über die Maskottchen schreiben - und ich auch. Unten links sieht man mein Werk - ich habe sogar einen "Sehr gut"-Smiley bekommen ;)

Am Freitag verfolgten wir dann voller Begeisterung die Eröffnung der Panamericanos im Fernsehen – wirklich beeindruckend! Die Show stand Olympia in keinster Weise nach…die Choreographien waren außergewöhnlich und besonders gut gefallen hat uns ein lebendiges Gemälde Diego de Riveras, welches sich untermalt von „Bésame mucho“ in Frida Kahlo verwandelte. Natürlich gibt es auch eine Panamericanische Fackel, sie steht auf dem Dach des „Estadio Omnilife“ an dem ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit vorbei fahre. Demnächst versuche ich (wenn es technisch funktioniert) mal ein Photo in der Abenddämmerung zu schießen, denn dann leuchtet das Feuer wirklich besonders schön!
Nachdem wir jedenfalls das Schauspiel im Fernsehen bewundert hatten, fuhren wir zum Flughafen um Mario abzuholen, der aus Monterrey zurück kam…ich musste mir alles noch einmal ganz genau ansehen und dachte bei mir: „Das letzte Mal als ich an diesem Fughafen stand, war ich aufgeregt, müde und zugleich unendlich gespannt – und das ist nun schon mehr als einen Monat her! Die Zeit rast an mir vorbei…und ich hoffe, wenn ich das nächste Mal an diesem Ort bin, dann um meine liebste Familie abzuholen, die mich besuchen kommt ;)“ Mal schauen ob daraus etwas wird :D
An dem Abend wollten wir eigentlich noch ins Zentrum fahren, doch um eins waren wir dann so müde, dass wir uns lieber für das Bett entschieden haben – so eine Woche in der Albergue ist aber auch immer anstrengend und schließlich haben Mago und ich ja beide schon die 20er Grenze überschritten :P
Am Sonntag war mein eigentlicher Plan, mich mit einem Buch und Früchten in die Innenstadt zu setzen und dort das bunte Treiben zu genießen :) Allerdings musste ich auch noch waschen und meine Liebsten zuhause anrufen, weshalb ich mich dann entschied am Nachmittag mit Mago in einige Plazas zu fahren, um nach einem Kleid für die Feier in Mexico nächste Woche zu suchen. Leider waren wir nicht sehr erfolgreich. Ich erstand ein Wollkleid für den „Winter“ (mal schauen wie der hier so ausfällt), kann es aber im Moment nicht anziehen, da ich keine Stiefel besitze. Um auf Grund des erfolglosen Shoppings nicht in tiefe Depression zu verfallen, gönnten wir uns schließlich ein Naturjoghurt-Eis, welches man nach Wunsch mit verschiedenen Früchten verzehren kann - ¡Que rico! :D

"La Plaza de Galerias"

Anschließend gingen wir zusammen mit Magos Freundinnen Luz, Ciria und Claudia ins Kino. Die Karten waren umsonst, deshalb war es auch nicht schlimm, dass der Film „Labios rojos“ vollkommen sinnfrei war :P Gelacht haben wir auf jeden Fall!
Zu guter Letzt gingen wir in das Stamm-Café in Chapultepec (eine Straße, bekannt für ihre Bars und Clubs) und genossen den Abend mit Café und Pina Colada ;) Eeeeeigentlich wollten wir ja tanzen gehen, aber hier läuft nie etwas so, wie man es plant! Ich hoffe auf das nächste Wochenende, denn vielleicht fahren wir in das Dorf von Isa, in welchem eine große Feier stattfindet – doch natürlich steht auch dieser Ausflug noch in den Sternen ;) Aber ich habe ja zum Glück ein Jahr, um noch ausreichend zu tanzen!

Sonntag war dann der Tag des Handballspiels, auf welches ich mich schon sehr gefreut hatte. Und typisch für Mexico, sollte es ein unendlich chaotischer und spontaner Nachmittag werden :P Mago und ich fuhren in die „Plaza Galeria“, um dort die im Internet gekauften „Boletos“ abzuholen…uns erwartete eine riiiiiiiesige Schlange von Menschen, die sich über eineinhalb Stockwerke hinzog und zu einem EINZIGEN Schalter führte. Nun gut, ich stellte mich an während Mago Mittagessen besorgte und nach Hause fuhr, um sich umzuziehen…mir brachte sie Klamotten mit, denn mit der Zeit stellte sich heraus, das wir keine Zeit mehr haben würden um noch einmal nach Hause zu fahren. Wir waren um ein Uhr angekommen, um halb 4 stand ich immer noch in der Schlange und das Computersystem war abgestürzt! Mir wurde gesagt, wenn ich meine Karten nicht verlieren möchte, müsse ich nun schnellstmöglich zum Stadion fahren, um sie dort abzuholen – natürlich zwei Stunden vor Spielbeginn, also in genau einer halben Stunde :P Dummerweise wussten weder Mago noch Mario (den sie zuvor abgeholt hatte) wo sich das Stadion nun eigentlich befindet, denn ursprünglich wollten wir uns mit den anderen in der Stadt treffen und dann zusammen mit einem der Shuttlebusse zum Spiel fahren. Mit Stadtplan und viel Fragerei kamen wir dann aber doch noch an, allerdings um 17:10 Uhr, nichts mit zwei Stunden vor Spielbeginn. In Deutschland hätte ich die Hoffnung auf meine Karten schon längst aufgegeben, hier hatte ich allerdings noch einen kleinen Funken übrig – und tatsächlich, nach einer weiteren Schlange, netten Menschen, die uns vorließen, einer zunächst nicht akzeptierten dann aber doch hingenommenen Kreditkarte und seeehr viel Hunger (denn ich hatte ja seit morgens nichts gegessen) hatten wir endlich unsere 8 Karten in der Hand. Leider konnte Isa nun aber doch nicht kommen, da sie niemanden als Babysitter gefunden hatte und auch Caren traf nicht rechtzeitig ein…die zwei Karten wurden wir allerdings schnell wieder los, denn es warteten noch irre viele Menschen auf die Möglichkeit, das Spiel zu sehen…was ich nicht ganz verstand, im Stadion selbst waren schließlich noch Unmengen von Plätze frei, jedoch konnte man offensichtlich keine Karten mehr erwerden. Alles sehr merkwürdig!
Wichtig war jedoch nur, dass wir es rechtzeitig geschafft hatten, denn auch die anderen waren inzwischen aus der Stadt mit dem Shuttlebus  eingetrudelt. Mago, Mario, Ramon, seine Freundin Sandra, Isaias und ich kamen gerade rechtzeitig zum Anpfiff des Spiels der Dominikanischen Republik gegen die U.S.A. – natürlich standen wir auf der Seite der (zugegebenermaßen sehr attraktiven) Südamerikaner und nach einem spannenden Schlusskampf, gewannen diese sogar. Was von der weiblichen Mannschaft auf der Tribüne mit viel Jubel und vor allem Tanz gewürdigt wurde :)
Meinen lieben amigos gefällt der Sport übrigens sehr gut! Auch wenn sie immer wieder entsetzt sind, dass ich als Mädchen diese „Brutalität“ in meiner Freizeit ebenfalls ausübe :P Ich glaube die Latinas hier stehen nicht auf solche Sportarten ;)
Abgesehen von den fünfen, denen ich die Regeln erklärt hatte, glaube ich hatten die anderen Zuschauer wenig Ahnung von dem Sport. So hörte ich Kommentare wie „Handball ist doch der Sport so ähnlich wie Volleyball?“ oder „Schiri, das war Hand!“.
Dass diese Sportart hier offensichtlich nicht so verbreitet ist sah man dann auch in der folgenden Partie: Mexico gegen Argentinien. Die lieben Mexicaner hatten eigentlich von Anfang an keine Chance und nach der ersten Halbzeit voller Gegentreffer wirkten sie im Angriff fast so verloren und unorganisiert wie wir :P
Nichtsdestotrotz war eine Bombenstimmung, denn wir hatten ja Ramon auf unserer Seite!! Ich kann überhaupt nicht ausdrücken, wie sehr ich mich an diesem Abend kaputt gelacht habe :D
Man stelle sich vor, Maskottchen seien ja eigentlich dazu gedacht im Stadion ein wenig die Stimmung anzuheizen – das hat am Sonntag aber eindeutig Ramon übernommen! Trotz nur sehr wenig Platz in der Reihe tanzte er auf und ab und feuerte Mexico ununterbrochen an: „VAMOS MEXICO!“ :) Die Zuschauer waren begeistert von ihm und er ließ alle mitfiebern! Es ging soweit, dass einstimmig Musik gefordert wurde damit er bloß weiter tanzte und Ramon brachte es sogar fertig, dass die Masse sein „monstruo“ forderte – seinen Bauch, den er dann auch bereitwillig shakend präsentierte :P Ich habe gedacht ich falle vom Stuhl vor lachen!!!
Anschließend war das Spiel eigentlich nur noch nebensächlich, denn als eine Familie begann Fotos zu schießen, war Ramon von dem Ausruf „Foto Foto“ nicht mehr abzubringen…und immer wenn er seine Kamera auf einen Tribünenteil richtete und nach einem Foto verlangte, sprangen alle auf und machten Party – selbst die Zuschauer auf den Plätzen am weitesten weg von uns machten mit. Ramon war eindeutig zum Alleinunterhalter des Stadions geworden und wir haben uns nicht mehr eingekriegt vor lachen, es ist unmöglich zu beschreiben wie lustig es war! Ich kann nur sagen, dass Mago und ich heute (also zwei Tage danach) noch Lachkrämpfe bekommen haben, bei dem Gedanken an seine Show!
Als wir uns schließlich 2 Minuten vor Abpfiff auf den Weg machen wollten, schrie Ramon „Ya me voy, ya me voy“ (Ich geh jetzt) und die Zuschauermenge antwortete „Que no se vaya, que no se vaya“ (Er soll nicht gehen!) – es war zum schießen! Das absolute Highlight war dann ein Mann, welcher rief „Si el ya se va, vamonos todos!“ (Wenn er geht, lasst uns doch alle gehen). Damit war dann eindeutig bekräftigt, dass Ramon wohl der eigentliche Star des Stadions war und im Nachhinein haben wir auch ihn zum Sieger der Partie gekürt ;)

Das niedliche Stadion

In der Halbzeit gab es nicht nur Cheerleader zu bestaunen, sondern man wurde auch mit südamerikanischen Klängen und Tänzen beglückt!

Bereits während des ersten Spiels war Ramon emotional voll dabei :)

Isaias, Ramon und Sandra

Zum Glück verkaufte "Domino's Pizza" seine Ware, sonst wäre ich wohl verhungert :)

Die Handball-Truppe Isaias, Ramon, Sandra, Mario und Mago

Die Hymnen werden gespielt...

...und dann gehts los!

Das Endergebnis ist ernüchternd...

...und deshalb lässt sich die mexicanische Lebensfreude auf dem Spielfeld nicht wirklich blicken.


Wie ihr seht hatte ich ein sehr chaotisches, erlebnisreiches und tolles Wochenende!!!
Ich hoffe es geht euch allen gut und ich lasse bestimmt bald wieder von mir hören…
Viele Küsschen, eure Sveni

PS: Gestern war ich übrigens zum ersten Mal wirklich „en rojo“, nachdem ich mit drei Jungs 2 ½ Stunden lang an einem 20 Wörter-Diktat gesessen habe und sie einfach die ganze Zeit nur Mist machen wollten :P Adrien (der Franzose) war da auch keine große Hilfe, nach 5 Minuten hieß es „Das macht keinen Sinn mit denen!“. Na herzlichen Dank, dass es nicht einfach ist hab ich auch schon gemerkt. Aber nach ein paar Minütchen Pause und mit der Unterstützung von Jorge haben wir es dann doch geschafft – ohne dass ich ein Kind erwürgen musste :D

3 Kommentare:

  1. Das war ja wirklich ein ereignisreiches Wochenende.
    Und Handball ist ja nun auch ein echter Rüpelsport ;-)
    Ich muss übrigens zugeben, deine Kamera macht tatsächlich gute Bilder, grade in Hanballhallen habe ich da schon eine deutlich schlechtere Ausbeute erziehlt.
    Und ich bin erleichtert zu lesen, dass du keine Kinder erwürgen musst. Wie ich ja immer sage: "Ein Quell stehter Freude!"
    Papa

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  2. Richi wundert sich gerade warum ich so viel Spaß an seinem iPad habe, aber ich hab mich über die beschriebene handballszene nicht mehr eingekriegt :D oh wie witzig!
    "brutale"Küsschen rüber zu dir von deiner Chanti

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  3. Deine Küsschen sind angekommen...denn meine 6-0-Deckung hatte bei soviel brutaler Kraft einfach keine Chance :D Du fehlst mir mein liebes Chantullachen <3

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