Hallo zusammen :)
Ich wohne nun seit ungefähr drei Wochen bei Mago und ihrer Familie und noch immer gefällt es mir sehr gut…wenn mir auch ihr Cousin Omar manchmal ein wenig auf die Nerven geht. Erstens kann ich ihn nicht verstehen weil er es nicht schafft für mich die Zähne auseinander zu machen und er immer leise vor sich hin nuschelt. Außerdem jammert er für sein Leben gerne, deshalb hab ich ihn schon gefragt, ob er nicht vielleicht Fußballer sei :P
Doch das ist natürlich mehr als gut zu ertragen und deshalb fühle ich mich hier sehr wohl!
Mago und ich haben heute mit den geplanten täglichen Englischstunden begonnen ;) Es ist wirklich sehr lustig und ich muss ganz von vorne mit ihr anfangen – außerdem sind meine Lehrfähigkeiten doch ziemlich begrenzt, deshalb weiß ich nicht ob das Ergebnis nach einem Jahr zufriedenstellend sein wird, doch in jedem Fall haben wir sehr viel Spaß!!
Auch ansonsten unternehme ich viel mit ihr, zum Beispiel bin ich nun bei den wöchentlichen Treffen mit ihren drei besten Freundinnen immer fest eingeplant. Luz, Claudia und Ciria sind wirklich sympathisch und super lustig!
Was meine Krankheit betrifft: Eine Besserung ist zu erkennen, allerdings sind es noch keine sehr großen Fortschritte .( Ich habe noch immer Schmerzen und nehme mittlerweile mal wieder andere Medikamente, da der liebe Doktor in der Albergue annimmt, dass ich eine Dickdarmentzündung habe (sofern ich das richtig verstanden habe). Naja, mal sehen wie es in nächster Zeit so wird…heute habe ich zumindest schon mal ein klein wenig Reis und Hühnchen gegessen – als Abwechslung zu Zwieback :P
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Heute haben Mago und ich die Anzahlung für eine Reise gemacht! Am 26.12. geht es für 9 Tage in den Süden Mexicos (Chiapas, Cancún, Veracruz) :D Wir haben jeden Tag volles Programm und es klingt wirklich toll – eine Mischung aus Kultur, Natur, Strand, Show, Feiern (Neujahr!!) und Shopping. Ich freue mich so!!!!!!!!!
Soviel zu meinem „Freizeitleben“, ich denke es ist auch mal an der Zeit euch zu erzählen, wie meine Arbeit in der Albergue abläuft:
Morgens fahre ich immer mit Mago zusammen zur Arbeit, wir kommen um kurz nach 8 an und meistens sind die Kinder dann gerade fertig mit dem Frühstück. Unsere Aufgabe ist es nun die Preescolares zu duschen und sie für die „Schule“ (bei uns würde man das Kindergarten nennen) zurecht zu machen. Das hört sich vielleicht leichter an als es wirklich ist, denn die (mittlerweile) sechs Kleinen haben wenig Motivation sich zu waschen und ihre Schuluniform ordentlich anzuziehen - und dies vor allem schnell zu tun. Besonders lustig finde ich, dass selbst die Kleinsten vor der Schule gekämmt werden müssen. Das bedeutet: Ein riesiger Klecks Gel in die Haare und dann wird alles schön mit einem Kamm an den Kopf geklatscht :P Sieht niedlich aus und macht mir großen Spaß!
Wenn dann schließlich alle soweit sind fahren Mago und ich die sechs in die Schule: Wir beiden vorne im Auto, fünf unangeschnallt auf der Rückbank und ein Kind bei mir auf dem Schoß. So sehr ich Mexico auch mag, diese eine Sache stört mich total! Oft denke ich in solchen Momenten daran, dass der Kleine bei einem Unfall zuerst durch die Scheibe schießen wird und dann wird mir immer ganz anders. Vor allem, da diese Vorstellung bei der Fahrweise der Mexicaner gar nicht so unwahrscheinlich ist! Naja, ich kann das Sicherheitsverständnis der Menschen hier nicht ändern und deshalb bemühe ich mich einfach nur darum, soweit es möglich ist vorne zu sitzen und somit angeschnallt zu sein ;)
Trotz allem ist die Fahrt mit den Kleinen immer sehr lustig, denn seit sie wissen, dass ich „Danza Kuduro“ so gerne mag wollen sie dieses Lied jeden morgen im Auto hören und dazu tanzen :) Oder aber sie wünschen sich „Rabiosa“ von Shakira, welches allerdings bei ihnen unter dem Namen „Den-Rücken-zerkratzen“ (siehe Text) bekannt ist.
Zurück in der Albergue beginnt dann die Zeit, in der ich nie genau weiß was ich zutun habe. Die Kinder sind aufgeteilt in verschiedene „Salones“ mit je einem Erzieher und machen ihre Hausaufgaben – zumindest sollten sie das tun. Meistens setze ich mich dann in einem Raum dazu und versuche soweit wie möglich zu helfen, was allerdings schwierig ist, da die Kinder sehr unruhig und vor allem unkonzentriert sind. Sie lenken sich gegenseitig ab und zum Teil greifen die Erzieher auch überhaupt nicht durch…zugegebenermaßen habe ich mir noch keine so große Autorität aufbauen können um auch nur annähernd für Ruhe sorgen zu können.
Auch die Aufgaben finde ich größtenteils mehr als fragwürdig! Meist müssen die Kinder „einfach“ nur irgendwelche Texte abschreiben oder Skizzen abmalen (was aber viele schon zu überfordern scheint) und im Nachhinein wissen sie überhaupt nicht worum es ging. Ich versuche dann immer zu erreichen, dass sie mir den Text oder das Bild nach Vollendigung der Abschrift noch mal mit ihren eigenen Worten erklären, aber erstens können sie das eigentlich nie und ich treffe auch auf vollkommenes Unverständnis, denn schließlich hieß die Aufgabe doch „Kopieren und nicht Erklären“. Das macht mich dann schon immer ein wenig traurig, auch weil ich nicht weiß wie ich etwas ändern kann, da das Lehrsystem hier offensichtlich so aufgebaut ist…ich komme mir oft ein wenig nutzlos und überflüssig vor, denn ohne mich würden die Kinder die Aufgaben wahrscheinlich genauso erledigen.
Außer vielleicht die Kleineren, denn ihnen kann ich wirklich beim Schreibenlernen helfen und ihnen zum Beispiel Wörter diktieren. Viele haben riesengroße Schwächen und können sehr schlecht bis gar nicht lesen, da sie - glaube ich - nicht verstehen, was die Buchstaben hinter einander für Laute bilden.
Ich würde mir später gerne etwas Eigenes aufbauen, wie zum Beispiel die Kleineren bei ihren Schwachstellen intensiver fördern oder Englischunterricht geben – aber dafür ist mein Spanisch momentan noch zu schlecht und deshalb werde ich mich erstmal mit meiner derzeitigen „Hilfe“ begnügen.
Manchmal unterstütze ich auch Adolfo und Rosy im Büro beim Akten sortieren oder Martha in dem kleinen Ärztezimmer bei der Medikamentenorganisation. Auch war ich nun schon einige Male bei „Todo para sus pies“ – dem Pediküresalon. Aber am meisten Spaß macht mir schon die Arbeit mit den Kindern.
Um kurz nach 12 gibt es dann immer Mittagessen, was ich mit beaufsichtige. Die Kinder essen immer zuerst (Tortilla dürfen sie sich so oft nachnehmen wie sie wollen, das Hauptgericht ist aber in der Menge beschränkt), müssen dann ihre Tische aufräumen/ abwischen und bekommen dann einen Becher zu trinken: „agua“ (Wasser) heißt es immer, allerdings ist es tatsächlich Wasser mit Geschmack ;)
Was mir nicht so gut gefällt ist, dass die Kinder eigentlich immer ein bisschen unter Stress essen –oder ich würde mich zumindest gestresst fühlen ;) Adriana, eine der Ehrzieherinnen die das Essen mit beaufsichtigt, kann sich zwar sehr gut durchsetzen, allerdings ist sie nicht besonders nett oder liebevoll zu den Kindern und schreit eigentlich die meiste Zeit…ich habe den Eindruck die Kinder müssen sich immer beeilen um direkt danach zu duschen und sich für die Schule fertig zu machen. Und da ja alle wissen, dass ich schon als Kind immer sehr langsam und in Ruhe gegessen habe, wäre das hier bestimmt nichts für mich :P
Nach dem Essen kommt also die große Waschaktion, die IMMER im Drama endet, weil irgendeiner der Jungs nicht das tut was er soll: sich duschen, die Uniform anziehen und sich kämmen. Und was ich schon festgestellt habe, wenn ein Kind etwas nicht tun möchte, dann ist es auch sehr schwer es davon zu überzeugen! Somit kommt es oft zu Wutanfällen und Raufereien, was häufig damit einher geht, dass einige Kinder im Endeffekt nicht zur Schule gehen – sie sind schließlich zu sehr „en rojo“ (rot). Wirklich gelungen finde ich diese Regelung nicht, da die Kinder dann für ihr schlechtes Verhalten auch noch belohnt werden indem sie zuhause bleiben dürfen. Aber mir fällt auch keine Alternative ein ;) Bei 55 Kindern, 4 Erziehern plus mir ist es einfach schwer, für Ordnung zu sorgen…das schafft höchstens Ramón, der Koch :) Wenn er einschreitet ist meistens Ruhe.
Um 2 werden die Kinder dann zur Schule gebracht und es gibt ENDLICH was zu essen für mich :) Wenn ich um 7 frühstücke bin ich bis dahin immer schon halb verhungert, auch wenn ich mir jeden Tag einen Apfel aus der Küche mopse! Das Essen ist immer super lecker und auch wenn ich am Tisch mit den anderen eigentlich nicht so viel verstehe, weil alle schnell und durcheinander reden, ist immer gute Stimmung und ich fühle mich sehr wohl.
Vor allem Roxy (die Praktikantin), Ramón, Isa (die Ernährungsexpertin) und natürlich Mago habe ich sehr ins Herz geschlossen!
Nach dem Essen sind Roxy und ich meistens totmüde…es ist um die Zeit immer super heiß und nur die Preescolares sind im Heim (plus diejenigen, die nicht zur Schule gegangen sind) und somit gönnen wir uns dann oft eine Auszeit im Büro mit Isas Laptop :P Außerdem spielen wir mit den Kleinen, basteln irgendetwas für die Schule (denn selbst die sechs haben schon „Hausaufgaben“ auf) oder kickern…Edson, mein kleines Lieblingskind, möchte immer dass ich ihm etwas vorlese und meistens schläft er dann auf meinem Schoß ein ;)
Außerdem besteht unsere Aufgabe momentan darin die „Tienda“ aufzuräumen - einen kleinen Laden mit Spielzeug, Kleidung etc. in welchem sich die Kinder für Verhaltenspunkte alle drei Wochen etwas „kaufen“ können. Es ist eine furchtbare Arbeit und macht wenig Spaß, allerdings sieht es nicht so aus, als würden wir in nächster Zeit damit fertig werden…es gibt einfach zu viel Zeugs in den Regalen und wir müssen alle Kleidungsstücke nach Größen sortieren, zählen und ordentlich zusammen legen :(
Meist endet mein Tag in der Albergue so um halb sieben, denn anschließend gehen Mago und ich in eine Tanzklasse – bei einem Transvestiten :)
Wir tanzen eine Mischung aus Salsa, Zumba, Aerobics und anderen lateinamerikanischen Rhythmen, es macht total viel Spaß und ist super anstrengend!! Und im Gegensatz zu mir, die an den Bewegungen meistens scheitert, kann unser(e) Trainer(in) wirklich gut tanzen, das kann ich euch sagen :)
Abends essen wir dann drüben bei Magos Mama Abendbrot, bzw. ich esse meistens nichts mehr weil ich mich in der Albergue immer so vollstopfe, und um elf falle ich dann todmüde ins Bett.
So sieht also meine Woche aus :) Die Tage sind immer sehr lang, aber machen mir großen Spaß! Ich werde auch noch schönere Photos von den Kindern und der Albergue machen und diese hochladen, damit ihr wisst wovon ich rede. Diese hatte ich nur gerade schon auf meinem PC ;)
Dickste Küsschen aus Mexico,
Sveni
PS: Übrigens werde ich immer noch fleißig von den Mücken hier zerstochen…anscheinend stehen die auf deutsches Blut :P
| Das Eingangsgebäude der Alberge vom Innenhof aus betrachtet: Oben rechts sind die Büros, links unter den Arkaden ist der Speiseraum und auf dem Dach ein kleines Gewächshaus. |
| Ramón und Mario versuchen Macho-Blicke aufzusetzen :) |
| Das kleine aber feine Spielhäuschen |
| Enrique (Iglesias) - el gordito - bei der Arbeit als Model :) |
| "Treffpunkt" auf dem Hof - hier wird meistens Fußball gespielt! |
| Die Albergue von den Büros aus betrachtet: Erdgeschoss - salones, 1. Etage - Schlafräume 1 und 2, 2. Etage - Schlaraum 3, Sportraum und "Therapiezimmer" |
Da warst du ja super fleißig mit deinem Blog! Toll so einen guten Einblick in dein Leben in Mexico nehmen zu können. Ich glaube dir gerne, dass du nach so einem langen Tag abends müde ins Bett fällst. Prima, dass du so nette Leute gefunden hast, mit denen du Spaß haben kannst. Gesundheitlich hoffe ich, dass du bald wieder vollständig gesund bist.
AntwortenLöschenPapa