Donnerstag, 13. Oktober 2011

Neuzugänge und mehr :)


Hallo ihr Lieben!
Nun ist schon beinahe eine Woche vergangen und es passiert jeden Tag so viel, dass ich mit den Berichten einfach nicht hinterher komme :( Ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel…
Also zunächst einmal das Aktuellste: Eine neue Freiwillige ist angekommen! Sie heißt Caren, kommt aus Bremen und macht einen super lieben und netten Eindruck. Momentan ist sie noch sehr schüchtern (was aber natürlich auf Grund der Sprache und den ganzen neuen Eindrücken mehr als verständlich ist) und ich denke das wird sich mit der Zeit und mit den tollen Leuten hier ganz schnell ändern ;) Was unsere Kommunikation betrifft, so rede ich meistens auf Spanisch mit ihr und sie versucht es ebenfalls so gut es geht…nur wenn wir uns überhaupt nicht verstehen oder andere sie etwas fragen leiste ich (sofern ich es denn verstanden habe) Übersetzungsarbeit :P Die Kinder denken übrigens alle wir wären Schwestern, obwohl wir uns nicht im geringsten ähnlich sehen –liegt wahrscheinlich an der weißen Haut. Und Ramon hat mir erklärt, dass sich Deutsche oder allgemein Europäer in mexikanischen Augen ja so ähneln würden, dass es oft schwer falle, Unterscheidungsmerkmale auszumachen…naja, ich sehe das ja eher andersherum! Auf jeden Fall verstehen wir uns gut und es wird sicher eine schöne Zeit mit ihr.
Außerdem ist noch ein Franzose eingetrudelt (hatte ich schon davon berichtet?) – Adrian. Er spricht eigentlich kein Wort Spanisch, weshalb mein Gehirn nun auch wieder ein paar englische Brocken auskramen muss, was ihm deutlich schwer fällt :P Adrian wird für drei Monate in der Albergue arbeiten…in seinem Fall denken die Kinder wiederum er sei mein Freund, wirklich sehr kreativ die Kleinen :D
Seit gestern kommt zudem alle paar Tage ein Mexikaner namens Jorge (Mamas Lieblingsname!), der ein Psychologiepraktikum in der Albergue macht. Er ist ebenfalls super nett und hat mich schon in deutsches Restaurant eingeladen, dass er über deutsche Freunde kennt, damit er das deutsche Essen zusammen mit einer Kennerin ausprobieren kann. Ich denke Ramon und Mago interessiert das ebenfalls, vielleicht auch Isaias oder andere Mitarbeiter und vielleicht kriegen wir es ja irgendwann hin zusammen essen zu gehen – Planen ist ja hier ein wenig schwieriger als in Deutschland :P

Was sonst noch geschah:
Letzte Woche gab es einen ganz besonderen Tag: Eine Firma hatte am Donnerstag 30 Kinder/Jugendliche der Albergue zum Bowlen eingeladen und somit fuhren wir mit einem der super Busse in eine der „Plazas“. Es war sehr lustig und alle hatten enorm viel Spaß – besonders als ich so komische, flipsartige Chips probiert und offenbar einen Gesichtsausdruck gezeigt habe, als müsse ich mich gleich übergeben ;) Die waren aber auch wirklich scheußlich!
Laura (Psychologin) und zwei der Kleinen, deren Namen ich leider noch nicht behalten habe ;)


Sergio - wie immer der Obercoole!


Sarah, ich soll mir von dir versichern lassen, dass dieser nette junge Mann dein Verlobter ist ;) Was ist dein Kommentar dazu??


Einige der Jugendlichen und die Betreuer der Firma


Wovon ich außerdem noch nicht berichtet hatte: Ich habe zusammen mit Derico zwei verschiedene Familien besucht. Darauf hatte ich mich bereits sehr gefreut und ich war gespannt, denn schließlich sehe ich dir Mütter jeden Freitag wenn sie ihre Kinder für das Wochenende abholen und ich habe mich schon oft gefragt, wie es wohl bei ihnen zuhause aussieht.
In die erste Familie fuhren wir zusammen mit dem Jungen (die Namen darf ich nicht nennen), da er über das Wochenende nie nach Hause kann, weil die Umstände dort zu unsicher sind. Es war von einem leicht behinderten und deshalb aggressiven Bruder die Rede, möglichem sexuellen Missbrauch und Verwahrlosung… dementsprechend war ich zunächst überrascht, da das Haus für mich in einer mittelmäßig schönen und gepflegten Gegend stand und auch von außen überhaupt nicht heruntergekommen oder marode wirkte. Allerdings sah es innen weniger rosig aus: Zwar versuchte die Mama noch schnell sauber zu machen bevor wir eintraten (denn den Besuchstermin hatte sie unglücklicherweise verschlafen), doch viel geändert hat das auch nicht. Zwar hatte die Wohnung an Ausstattung alles was man benötigt, doch machte sie so einen ungepflegten und verfallenen Eindruck…es war sehr dreckig und überall an den Wänden saßen Tiere (wie zum Beispiel „kleine cucarachas“). Normalerweise fährt Derico zusammen mit Adriana zu den Familien um Therapiesitzungen mit ihnen durchzuführen, aber dies geschieht immer nur dann, wenn der Junge nicht dabei ist. Bei einem Besuch wie diesem, geht es darum, dass das Kind Zeit mit seiner Mutter verbringt, weshalb wir einfach zusammen Gesellschaftsspiele gespielt haben. Auch wenn es vielleicht ein wenig gemein klingt, weiß ich doch nicht wie ich es anders ausdrücken soll: Während der Spiele konnte man merken, dass die Mutter schon ein wenig einfacher gestrickt war – so hat sie die einfachsten Regeln nicht verstanden und mir war danach klar, warum sie offensichtlich nicht in der Lage ist sich um ihren Jungen zu kümmern. Der Besuch machte mich zum einen ein wenig traurig, da ich nun wusste aus was für Verhältnissen die Kinder stammen, andererseits bin ich mir nun aber auch bewusst, dass sie es in der Albergue wirklich besser haben!
Der zweite Besuch war ganz anders und – für mich – noch prägender. Auch diesmal sind wir zusammen mit einem Kind zu seiner Familie gefahren, weil es das Wochenende nicht zuhause verbringen darf. Allerdings war die Wohngegend eine ganz andere… es war ungefähr so, wie man arme Bereiche Mexikos aus dem Fernsehen kennt. Die Straßen waren einfache Matschwege, die Häuser teilweise nur Holzhütten mit Planen und den Menschen konnte man ihre Armut deutlich ansehen. Für mich war es ein komisches Gefühl mit dem Auto durch dieses Viertel zu fahren, da es ganz offensichtlich war, dass die Menschen dort Autos nicht besitzen und wir demnach auch alle Blicke auf uns zogen. Das Haus, indem der Junge wohnte war eines der besseren, aus Stein und mit einem kleinen Vorhof. Alles war sehr sauber und gepflegt – nur fehlte jegliche Einrichtung! Die Familie (Mama, Junge und zwei Schwestern) besaß ein Bett, einen Tisch mit Stühlen, einen Kühlschrank und einen einfachen Herd. Es gab nur einen großen Raum, wobei der Schlafbereich mit einem Handtuch abgehängt war.
Zwar hatte die Familie finanziell nicht viele Möglichkeiten, doch wurde hier deutlich, wie sehr alle Familienmitglieder einander lieben. Die kleinen Schwestern haben sich unendlich gefreut, dass ihr Bruder da war und das Spielen mit den Kleinen und ihrer Mama hat sehr viel Spaß gemacht. Das kleine Mädchen hat mir einfach einen spanischen Namen gegeben, weil sie meinen wirklichen nicht verstanden hatte als ihr Bruder mich vorstellte – und so hieß ich den gesamten Nachmittag über einmal ganz anders ;)
Als es schließlich Zeit war wieder zu fahren, war es offensichtlich, dass alles Beteiligten sich sehr über den Besuch gefreut hatten und besonders der Kleine wirkte zugleich auch sehr traurig als er ins Auto einstieg.
Die beiden Besuche haben mir zum einen gezeigt, dass Verantwortungs- und Ordnungsbewusstsein in keinster Weise etwas mit den finanziellen Mitteln zutun hat…und außerdem fand ich es sehr rührend zu sehen, wie nahe sich die Familienmitglieder im zweiten Fall stehen und dass es Mütter gibt, die ihre Kinder mit dem Bewusstsein in die Albergue geben, ihnen so eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Bleiben wir gleich bei Familien ;) Außerdem sind letzte Woche ein paar Neuzugänge zu uns gestoßen. Die Jungs sind freudestrahlend in die Albergue gekommen und ich hatte mich schon gewundert, dass es ihnen so gar nichts auszumachen schien. Das änderte sich wohlgemerkt am nächsten Morgen: Diego ist erst fünf und deshalb bei meinen preescolares – als ich ihn morgens so wie die anderen zum duschen schicken wollte brach der Kleine allerdings in Tränen aus. Er wolle nach Hause zu seiner Mama, die anderen Kinder ärgern ihn immer und haben seinen Rucksack geklaut (das war besonders schlimm!) und er möchte einfach nur seine Mama sehen. Die mich ein wenig besser kennen wissen ja um meine emotionale Schwäche und dieser Knirps hat mich mit seinen großen traurigen Augen fast zum weinen gebracht :( Schließlich haben wir einen Pakt geschlossen und zwar, dass wir unsere Mütter zusammen vermissen aber wir deswegen nicht weinen…schließlich ist meine Mama noch weiter weg und dann müsste ich ja die ganze Zeit in Tränen aufgelöst sein :P Das hat für den Moment auch geklappt, allerdings kullerten am nächsten Morgen wieder die Tränen und als dann endlich der Freitag kam, habe ich noch nie ein Kind so freudestrahlend in die Arme seiner Mama hüpfen sehen! Alle versichern mir, dass es am Anfang für viele Kinder schwer ist und sie sich mit der Zeit wohl fühlen werden und doch ist es für mich nicht leicht zu sehen, wenn Klein-Diego seine Mama vermisst oder Juan (ebenfalls ein Neuzugang) unter Tränen versichert nicht essen zu können weil er nach Hause möchte.

Soviel zur Albergue, aber es gibt ja noch ein Freizeitleben :)
Mago und ich haben den Freitag zuhause verbracht und haben „El Estudiante“ geguckt, einen Film den ich nur unbedingt weiter empfehlen kann! Samstags war ich dann auf einer Abschiedsfeier eines Bekannten von Isaias, auf welcher er und Ramon Gitarre gespielt und gesungen haben. Besonders gerne habe ich das für Jalisco typische Lied: „Vicente Fernandez - Estos Celos“ - könnt ihr ja mal auf youtube anschauen, es ist sehr Mariachi-mäßig :P
Ich habe außerdem erfahren, dass es hier wirklich die Tradition des (ich nenne es mal) Minnegesangs noch gibt :D Wenn ein Mann seine Traumfrau auserkoren hat sucht er sich Freunde oder Bekannte die Gitarre spielen und singen könne (wie zum Beispiel Ramon) oder bestellt Mariachis und zusammen positionieren sie sich dann im Morgengrauen unter dem Fenster der Angebeteten, damit er ihr im Gesang seine Liebe gestehen kann. Die Prozedur nennt sich „serenata“ und gefällt mir außerordentlich gut :D Peinlich wird’s nur dann, wenn sie das Fenster nicht öffnet :P

Was mir noch einfällt, ich habe Karten für ein Handballspiel der Panamericanos, die dieses Jahr in Guadalajara stattfinden werden. Für alle die es (so wie ich zuvor) nicht wissen, diese Spiele sind quasi ein kleines Olympia für den gesamten amerikanischen Kontinent. Die Stadt ist seit Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt und alle Sportarten sind ausverkauft – nur Handball ist so unbekannt, dass wir noch Karten ergattern konnten und die anderen sind nun sehr gespannt, um was genau es sich bei dieser Sportart handelt. Momentan ist immer nur von „Fußball mit den Händen“ die Rede :P
Zu den Panamericanos gehören auch drei Maskottchen: Huichi, Gavo und Leo. Ramon hat mir einen kleinen Gavo als Kuscheltier geschenkt, der teilt sich jetzt mit dem Zwei-Ohr-Küken Emma die zweite Betthälfte ;)
Nein, das ist nicht mein Kuschel-Gavo :) Aber er ist schon toll, oder?

Huichi, Leo und Gavo - die Maskottchen
Auch die Einkaufszentren sind "panamericanisch" geschmückt!
Das goldene Trio :)




So, das wärs nun erstmal wieder von mir – einige Fotos folgen!!
Ich hoffe euch allen geht es gut und ihr genießt den Herbst ohne allzu viel Regen…hier hat es heut zum ersten Mal den ganzen Tag über geschüttet (die Auswirkungen des Hurricanes an der Küste) und ich bin offensichtlich nicht mehr an Nässe gewöhnt, denn ich bin fast erfroren ;)
Liebste Grüße aus Mexico!! Un besito,
Sveni

1 Kommentar:

  1. Ich bin froh, dass es dir so gut geht! :)
    fühl dich gedrückt ♥
    Chanti

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