Hallihallo,
was nun folgt ist ein kleiner, mexicanischer Weihnachtsbericht:
Mein Weihnachten begann im Grunde schon damit, dass ich ein wundervolles Paket von meiner lieben Familie aus Deutschland erhalten habe – mit viiiiiel Schokolade, Spekulatius, Dominosteinen, VOLLKORNBROT (es kann sich glaube ich keiner vorstellen wie dumm und dusselig ich mich gefreut habe :P) und vielen kleinen Überraschungen. Auf diese Weise hatte ich auch in der Ferne erstmalig das Gefühl von Weihnachten und das war wirklich wundeschön!
| Mein Weihnachtsschatz. |
In der Woche vor Weihnachten begannen die Ferien und unsere Kinderchen fuhren nach Haus zu ihren Familien. Dank der Abschiedszenen kann ich mir nun ungefähr ausmalen, wie schrecklich schwer mir der Abschied im September fallen wird: jedes zweite Kind fragte mich, ob ich denn ja noch da sei wenn sie im Januar zurückkämen und alle schienen sehr besorgt, dass ich in den Ferien einfach verschwinden könnte. Die niedlichsten Abschiedsworte bekam ich von meinem kleinen Edson: „Svenja, in den Wochen werde ich dich sehr vermissen…von hier unten bis zur Sonne“ :) Und Manzina sagte mir, ich könne erst in 3000000 Jahre nach Deutschland zurückkehren, ob ich mit dieser Idee einverstanden wäre ;) Wenn sie wollen, sind die Kleinen wirkliche Goldstücke und selbst die, die sonst weniger anhänglich sind haben sich abends noch hingebungsvoll von Ian und mir verabschiedet. Das kann ja was werden, wenn der September naht…
Die Kinder, die auch sonst nicht nach Hause können/wollen gingen übrigens mit jeweils einem Erzieher mit und verbrachten das Weihnachtsfest mit dessen Familie. In den letzten Jahren nahm Mago normalerweise Fidel und seine Brüder auf, in diesem Jahr allerdings wurde ohne Gäste der Albergue gefeiert.
Die letzte Woche in der Albergue verging sehr langsam, schließlich waren nur ungefähr 8 Kinder und ein paar Jugendliche da, sodass es im Endeffekt überhaupt nichts zu tun gab…doch die Erzieher hatten ständig irgendwelche Besprechungen und so blieben die Freiwilligen, um auf die Kinder aufzupassen – das heißt, wir spielten Fußball (Mexico – Deutschland) auf der Playstation :P
Auf diese Weise blieb außerdem Zeit, noch ein paar Weihnachtsgeschenke zukaufen…ja, ich hatte mich außerordentlich gut an die mexicanische Lebensweise angepasst und dementsprechend noch keinerlei Geschenke besorgt ;) Dass dies nichts Außergewöhnliches ist, wurde mir spätestens in den rappelvollen Läden klar, die auch am 24. noch bis zur letzten Minute geöffnet haben – wie auch unsere Papelería, die in der Weihnachtszeit sehr gut besucht war. Eigentlich wolle ich auch den Kindern der Albergue (und zugleich mir) ein Geschenk machen und ihnen einen Handball schenken, doch auch wenn man es kaum glauben mag, konnte ich in gefühlten 100 Sportgeschäften nicht einen einzigen entdecken :( Doch noch gebe ich die Suche nicht auf!
Am 23. machten Mario, Mago, Ian und ich uns auf den Weg, um die Pastolera von Ramon und einigen Freunden aus seinem Viertel anzusehen. Eine Gruppe von bestimmt 30 Leuten hatte in vielen Wochen eine Art lustiges Krippenspiel vorbereitet und sollte es an diesem Abend auf der Straße aufführen. Tja, in der Kolonie kamen wir auch pünktlich an, nur konnten wir absolut nicht die richtige Straße finden…im Endeffekt waren wir 1 ½ Stunden mit dem Auto herumgeirrt, hatten eine Taufe sowie eine Hochzeit entdeckt und kamen schließlich pünktlich zum Schlusssatz an :P Vom Krippenspiel hatten wir somit leider nichts mitbekommen, doch blieben wir noch bis 2 Uhr zusammen mit Ramon und seinen Freunden, aßen Tacos und sangen uns begleitet von Ramons und Isaias Gitarrenspiel die Seele aus dem Leib. Es war ein wirklich lustiger Abend – wenn auch bei mir das Gefühl von Weihnachten immer noch fern blieb – und wir hatten unendlich viel Spaß :)
| Das Ende des Spektakels :P |
| Für den armen Ramon... |
| ...war es nicht gerade... |
| ...die beste Nacht :D |
Den 24. verbrachten Mago, Ian und ich damit, unsere Klamotten zu waschen und zu bügeln, ein wenig zu chillen und zu schlafen, während unsere „Mamas“ noch unten in der Papelería werkelten – von weihnachtlichem Beisammensein, keine Spur!
Ich nutzte die Zeit, um mit meinen Liebsten zu telefonieren und schließlich packten Ian, Mago und ich am Nachmittag meine Geschenke aus Deutschland aus: ich bekam Schokischoki, eine wunderschöne Müslischüssel (die mir zurzeit noch als Schokoladenschüssel dient, aber bald zu ihrem eigentlich Zweck umfunktioniert wird), kleine wohltuende Weisheiten und einen Gutschein für „Queen at the Ballet“ :) Außerdem lag noch ein Buch über die Stadt Essen für meine Freunde mit bei und Mago war voll auf begeistert von unseren Häusern „Genau so habe ich früher immer Häuser gemalt, weil ich unendlich gerne in solch einem wohnen würde – und bei euch sehen alle so schön aus“ :) Sehr süß, andersherum bin ich beeindruckt von der Farbenvielfalt hier in Mexico und sie hätte lieber die uniformen, grauen Häuser in Deutschland….
Ich schenkte Ian übrigens eine CD und gab ihm somit sein erstes Weihnachtsgeschenk seit 10 Jahren – als Kind von Zeugen Jehovas hat man es schon schwer :P
| Weihnachtspost aus der Heimat. |
| Mami, dein Buch und dein kleines Weihnachtskärtchen sind auf große Begeisterung gestoßen ;) |
| Schooooooki <3 |
Am heiligen Abend gingen wir in die „Messe“, das heißt, wir versammelten uns mit einigen Nachbarn in dem Vorhof von unserem Haus. Ein Pastor war anwesend und wir feierten die Messe auf kleinen Höckerchen, unter freiem Himmel :) Es war deutlich weniger feierlich, wir sangen leider kein einziges Lied und die Messe zog mich demnach nicht so in den Bann wie andere Weihnachtsgottesdienste…doch immerhin hatte ich am Ende die Möglichkeit, ein wenig mit dem padre zu quatschen und juchuu – endlich kennt mal jemand Martin Luther und weiß, dass Protestanten an den gleichen Gott glauben wie Katholiken :P Sehr sympathisch!
Es wurde immer später und ich war schon fast im Halbschlaf, als wir schließlich um 11 Uhr!! zum Abendbrot zu den Nachbarn rüber wanderten. Für mich war es ein außergewöhnliches Essen, denn es gab keine Tortilla UND wir aßen mit Messer, Gabel und Löffel – sonst tun es immer Löffel und die Finger ;) Es gab erst Suppe, dann Spaghetti mit Crema (was mich einfach nicht zu überzeugen vermag)l, gefüllten Truthahn (seeeehr lecker), undefinierbares Schweinezeugs und zum Nachtisch Apfelsalat – mhmmm :)
Später in der Nacht gingen wir dann schließlich raus, zündeten Wunderkerzen an und sangen das Posada-Lied: Eine Gruppe singt von draußen und bittet um Herberge, die andere Gruppe bleibt hinter der verschlossenen Tür und lehnt stetig ab…bis schließlich ein Platz zum Schlafen gewährt wird und alle zusammen die letzte Strophe singen :)
Was ich besonders lustig fand ist, dass wir eine Jesuspuppe hatten – in Decken eingewickelt, welche auch Süßigkeiten enthielten – und um Christus zu ehren, gab ihm jeder ein Küsschen und durfte sich dafür ein Bonbon herausnehmen. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass man sich schon ein wenig albern vorkommt, wenn meine Porzellanpuppe küsst, aber gut Tradition ist Tradition!
Um 2 huschte ich dann schließlich ins Bett, um danach den ersten Weihnachtsfeiertag mit Kofferpacken zu verbringen. Geschenke haben wir uns innerhalb der Familie übrigens nicht gegeben, aus Zeit- und Geldmangel :P Also wirklich ein gänzlich anderes Weihnachtsfest in diesem Jahr – und auch wenn Neues ja bekanntlich seinen Reiz hat, so fehlte mir doch mein Weihnachtsbaum, das Plätzchenbacken mit der Familie, Kerzenschein statt Elektro-Blinklichter, Rolf Zuckowski und seine Weihnachtslieder und natürlich mehr als alles andere das Zusammensein mit meiner Familie.
| Mago und ihr Patenkind Regi |
| Das kleine Jesuskindchen haben wir mit Küsschen überhäuft ;) |
So, nun seid ihr auch über mein mexicanisches Weihnachten informiert :)
Am nächsten Tag – dem 26. – startete bereits unsere Reise nach Cancún, über welche ich bei der nächsten Gelegenheit berichten werde.
Ich sende euch die liebsten Grüße über das weite Meer, bis bald
Sveni :)
PS: Übrigens war ich außerdem auf einer „Baby-Shower“ von Claudia (der schwangeren Freundin von Mago) eingeladen…bisher kannte ich diese Feierlichkeit ja nur aus NZ und man glaubt es kaum, auch hier musste ich wieder als Baby für ein Spiel herhalten. Man bestaune die Fotos und lache :D
| Das stimmt! |
| Mago, Claudia, ich, Luz und Ciria |
Ist ja genauso wie hier, nirgends Schnee.
AntwortenLöschenO. K. dann hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Ich denke, es hat dir trotzdem Spaß gemacht, auch wenn es ganz anders ist als hier. Aber das macht ja so einen Aufenthalt aus, über den Tellerrand gucken zu können.
Bin gespannt auf die Yucatán Bilder und Berichte!
Papa