Donnerstag, 12. Juli 2012

Erster Abschiedsschmerz...


Die letzten 2 Monate meines Mexico- Aufenthaltes sind angebrochen…wie schnell die Zeit vergeht. Zu sagen, dass bei mir noch kein Abschiedsschmerz aufkommt wäre eine Lüge und das gleiche lässt sich glaube ich auch von den Kindern behaupten.
Immer seltener werden die Momente, in denen ich mich in der Albergue “alleine“ aufhalte – immer hängt eines der Kinder an meiner Hand (oder bei Zeiten auch mal an meinem Bein ;),
will auf meinen Arm oder einfach nur neben mir und meinem Gesprächspartner stehen.
Der Satz, der momentan am häufigsten zu hören ist: „Cuando te vas?“ (Wann gehst du?).
Die Kleinen sagen mir regelmäßig „No te vayas nunca por favor“ (Bitte gehe niemals), während mir die Großen (während sie mich mit einer Umarmung mal wieder halb zu Tode drücken) erzählen, wie sehr sie sich schon auf September freuen…um dann manchmal ein gnädiges „No te creas“ (War nur ein Scherz) hinter her zu schieben.
Ich glaube sie haben keine Ahnung, wie unendlich schwer der Abschied für mich wird, bzw. schon ist… wie oft ich bei ihren typischen Murmelspielen zusehe oder über den sich mal wieder so niedlich aufregenden Diego lächeln muss, ich das Chaos im Comedor beobachte, Kuscheleinheiten mit Angelito, Gabrielito, Josué, Fabián, Diego, Kevin, Memito, Brian oder Carlos Trillizo einlege, die Gebrüder Reyes während ihrer Streitereien trennen muss, Erste-Hilfe bei eingeklemmten Fingern und Schürfwunden leiste, Löffel und Tortilla während des Essens verteile oder einfach nur mit einem Kind auf dem Schoß und allen anderen drum herum im Fernsehraum sitze und die Zeit tot schlage – manchmal kommen bereits in solchen Situationen die Gedanken an den Abschied auf und mir steigen die Tränen in die Augen.
Wie kann man in einem Jahr diese Kinder nur so ins Herz schließen?!
Ich wünschte ihr könntet das Gesicht eines meiner Kinder sehen, wenn es mit Unschuldsmiene fragt: „Und nimmst du einen großen Koffer mit nach Hause? Wie viele Kinder passen denn da rein? Nimmst du mich mit?“ Oder Gabrielito, der mir von seinen Tanten in den USA erzählt und freudestrahlend sagt, wenn er groß ist und sie besuchen fährt kommt er auch nach Alemania…denn von da aus ist es ja nicht mehr weit zu mir. Oder Christofer, der mich ständig fragt, ob ich denn mittlerweile seine Mama um Erlaubnis gebeten habe, sodass er mich begleiten kann.
– „Pero vas a regresar???“ (Aber du kommst wieder?)
– “Si, te lo prometo.” (Ja, ich verspreche es dir.)
– „Pero que hacemos si cambio la casa y me roban mi celular, asi que no puedo avisar al albergue Como me vas a encontrar??“ (Aber was machen wir, wenn ich umziehe und mein Handy geklaut wird, sodass ich der Albergue nicht Bescheid sagen kann. Wie wirst du mich dann finden?)
Fragen über Fragen…und am liebsten würde ich einfach hier bleiben oder sie wirklich alle mitnehmen – obwohl dies wahrscheinlich Arbeit für 30 Personen bedeuten würde bei meinen Chaoten ;)

 Impressionen aus dem Alberguen-Alltag

Luis Fer lässt sich von der Doctora im Consultorio untersuchen

Salón 3: Laura, Esteban, Alfonso und Carlos

Laura und ich

So endet eine "Friseurstunde" am lebenden Modell Svenja ;) Mit Alex, Maximo, Kevin, Diego, Memo, Josué und Jorge

Josué, Kevin, Memo, Diego, Adriana und ich

Ady und Dieguito

Diego und Josué

Ein Pasta-"Paradies" = weichgekochte Nüdelchen für die Kinder und für mich :P

Vor dem Eintreten in den comedor ist Ruhe angesagt: "1-2-3!"

Ramoncito und Elvia teilen das Essen aus

Guten Hunger - Mansina und Diego

Dieguitooooo  :)

Das "credo" - Glaubensbekenntnis - muss für die Erstkommunion auswendig gelernt werden...da ist Sergio bei mir ja an der richtigen Adresse ;)

Armando, Brian, César und Fabian sind auf Regenwürmer-Suche

Carlos, Angelito und der Clown Pablo ;)

"Wir sind nicht alle gleich, doch wir haben dieselben Rechte"


Hermanitos: Carlos und Jonathan

Warten aufs Essen: Brian, Diego, Luis, Ramiro

Armando, Brian und César haben Tortilla-Lieferdienst gespielt ;)

Angel darf heute vor dem Essen die Seife verteilen, z.B. an Ciro, Francisco und Carlos
Kevin und Ciro

Es wird fleißig für die "Escolta" geübt :D

"Escolta - paso redoblado - YA"

Ich bin ein wenig vernarrt...

... in den süßen Diego - man merkt es kaum :D
Diego und Emilio

Der stolze Kindergarten-Abgänger Emilio

Und auch Diego passt der Absolventenhut perfekt.


Edson und Emilio


Mein kleiner Kevin war müde und offensichtlich kuschelbedürftig ;)

Diego, sein erquetscher Bruder Kevin und ich :D



"Mäuschen piep einmal" - Robertito :D

Kevin beim Tortilla-Kauf

Gil (Sohn meines Direktors), Betito, Diego, Kevin und ich

Nicht nur für mich geht das Jahr zu Ende, sondern auch für die Kinder ist das Schuljahr vorbei und sie sind letzten Freitag in die Ferien gegangen.
Vorher standen selbstverständlich große Ereignisse an: die Graduaciones – Graduierungen ;)
Im Vergleich zu Deutschland war dies ein Aufwand, der beinahe dem Abschluss auf dem Gymnasium entsprach – und dabei handelte es sich um die Abschlussfeier im Kindergarten :P
Unsere Kleinen wurden herausgeputzt und in schnieke Mini-Anzüge gesteckt (zugegebenermaßen ein zu goldiger Anblick), während die Mädchen wie Prinzessinnen zurecht gemacht wurde…pompöse Kleider, Hochsteckfrisuren die unsereins wahrscheinlich frühestens für die eigene Hochzeit in Erwägung ziehen würde und geschminkt wie kleine Supermodels. Nun ja, meinem Geschmack entspricht es nun wahrlich nicht, aber so ist nun einmal die mexicanische Kultur.
Die Graduierung bestand aus zwei Teilen: Messe und anschließende Feier an einem Tag, die Verleihung der „Zertifikate“ am anderen.
Bezeichnet fand ich es wieder einmal, dass die Mütter der 5 Kleinen nun wirklich selten etwas für ihre Kinder tun müssen, alles wird ihnen abgenommen…und wenn Laura nun darum bittet, dass sie wenigstens an diesem Tag anwesend sein möchten, so schaffen sie es doch tatsächlich trotzdem nicht, einen Nachmittag zu opfern. Diegos Mutter sagte mir, sie habe auf der Arbeit um Erlaubnis gefragt und es wurde ihr untersagt frei zu nehmen – und trotzdem kam sie zur Albergue: „Casi nunca tengo tiempo para mi hijo…por lo menos en este dia importante deberia estar con el!“ (Ich habe fast nie Zeit für meinen Sohn…wenigstens an diesem wichtigen Tag sollte ich bei ihm sein!) Dies fand ich wirklich beeindruckend und auch wenn Diego in ihrer Anwesenheit noch nörgeliger ist, konnte man deutlich sehen wie glücklich er über die Anwesenheit seiner Mama war.
Im Gegensatz dazu hatte es die Mama von Edson mal wieder nicht „geschafft“ und auch Robertos Mama war nicht erschienen…letzterer ist in gewisser Weise schon an die Abwesenheit seiner Mutter gewöhnt, war sie schließlich zunächst viele Monate in einer Entzugsklinik und nach ihrer Entlassung (was von den 3 Söhnen immer wieder freudestrahlend berichtet wurde) kann sie nun aus unerklärlichen Gründen ihr Söhne am Wochenende trotzdem nicht mit nach Hause nehmen. Doch auch wenn dies für Roberto den Alltag bedeutet, war es offensichtlich, dass Edson und er auffällig viel an Laura und Mago hingen und nicht von deren Seite wichen… es war sicher nicht leicht, alle anderen Kinder ihres Kindergartens zusammen mit ihren Eltern zu sehen, während ihre eigenen Mütter nicht gekommen waren.
Diese Verantwortungslosigkeit und das an den Tag gelegte Desinteresse an den eigenen Kindern versetzt mich regelmäßig in Rage – wie kann man sich als Mutter so egoistisch und herzlos verhalten? EIN Tag, ein Nachmittag für das eigene Kind müsste doch einzurichten sein?! Wenn man die übrige Zeit schon wenig für es da sein kann…
Und trotz der regelmäßigen Enttäuschungen kann kein Geschenk ein größeres Lächeln auf die Gesichter der Kinder zaubern, als ein Besuch der Mama am Ende der Woche.
Die Liebe eines Kindes für seine Eltern ist eines der stärksten Gefühle auf der Welt – dessen bin ich mir hier bewusst geworden.

Um wieder zu den Festlichkeiten zurückzukommen ;)
Am Donnerstag feierten wir also zunächst die Messe, bei der ich Memos Bruder Brian ein wenig verwirrte, da ich mich auch in einem katholischen Land in der Messe partout nicht hinknie oder mich bekreuzige… „Muss ich das dann auch nicht machen?“ :P
Nach dem anschließenden Fotoshooting ging es zu einer gemieteten Terrasse und dort hatten die Kinder nach dem obligatorischen Teil endlich ihren Spaß – im Prinzessinnenkleid und Anzug wurde Fangen gespielt, die Hüpfburg wurde unsicher gemacht und sich fröhlich über den Rasen gekugelt.
Nur wegen der um 2 Stunden verschobenen Essenszeiten litten meine fünf ein wenig – sie sind schon so fest auf 12 Uhr eingestellt, dass jede Verzögerung Hungerattacken hervorruft ;)

Die stolze "Tante" Martha

Que guapos!!!

Achtet auf den verliebten Blick von Roberto für seine Prinzessin Citlali ;)

Brian füttert seine kleine Schwester


Wiedersehens-Glück.



Emilio, Diego, Memi, Roberto, Edson

Buenos amigos - Memo y Roberto.







Nach den landestypischen Tacos fuhren Mago und ich zu der Primaria, denn dort fand zur selben Zeit die Abschiedsfeier für meine größeren Kinder statt.
Leider konnte ich nur noch Zeuge der letzten Tanzaufführungen werden, doch sowieso war das Schönste für mich, durch die Tür zu treten und die glücklichen Gesichter der Pinos-Kidner zu sehen. „Guck mal, Esveni-Neni hat es doch noch geschafft!“  :D
Sie sind einfach bezaubernd…

Die 5.-Klässler trugen für die 6. ein Gedicht vor.

2. Reihe, 1. v.l. Esteban - 4.v.l. Angel Ivan - 3. Reihe, 2.v.l. Alfonso - 3. Paat - 6. Huicho



Am Samstag feierten wir das Ende des Schuljahres in der Albergue, zu dem auch alle Eltern und Unterstützer der Institution eingeladen waren.
Dank der mexicanischen Pünktlichkeit meiner lieben Gastschwester kamen wir eine viertel Stunde zu spät und ich verpasste somit die „Escolta“ – dies ist ein kleiner militärisch angehauchter Marsch, zu Ehren der Flagge, untermalt von der Hymne der Nationalflagge. Ja, denn auch die „bandera“ hat ihren eigenen Ehrentag und ihre eigene Hymne…ein bisschen übertrieben ist es ja schon, aber ich hätte meiner Kinder gerne in ihren Uniformen stramm marschieren gesehen ;)
Nach der Eröffnung wurden sogenannte „Reconocimientos“ (Anerkennungen) verteilt: Für die besten „calificaciones“ (Noten), als Dankeschön für die Unterstützung der Albergue durch zahlreiche Familien, zum Abschied der nun die Albergue verlassenen Kinder (Mauro Guerrero, César und Jonathan Echeveria und Luis  Alberto – Huicho – Espinoza) und schließlich auch als Dank an die Volontäre. Damit gerechnet hatte ich nicht und wie mir natürlich nachher von zahlreichen Kindern berichtet werden musste, wurde ich knallrot als ich nach vorne auf die Bühne ging, zahlreichen wichtigen Persönlichkeiten die Hand schüttelte, meine Urkunde bekam – aber glücklicher Weise keine Worte an das Publikum richten musste. Vor Nervosität wäre mein Spanisch wahrscheinlich hoffnungslos verloren gewesen :P
In jedem Fall habe ich mich aber sehr über die Ehrung gefreut! :)
Nach Verteilung der Urkunden gab es eine Tae-kwon-do Vorführung (ich hätte riesige Lust mal wieder eine Form zu laufen ;) und schließlich das große Festessen mit Häppchen, Churros, sowie viel zu viel Kuchen.
Schließlich wurde es Zeit zum Abschied nehmen – zwar war es nur für 4 Kinder ein endgültiger, denn die anderen sollte ich nach den Ferien wieder sehen – doch dank der Atmosphäre und meinen mich umarmenden Kindern konnte ich die Tränen trotzdem nicht zurückhalten…es war ein furchtbares Gefühl und ich habe wirklich keine Ahnung wie erst mein Abschied im August ablaufen soll…
Besonders lieb fand ich Franciscos Mutter, die mich mit Tränen in den Augen in den Arm nahm und mir für alles dankte, was ich für ihren Sohn getan hatte. Oder Estebans Mama, die mich versprechen ließ, dass ich ihren zukünftig im „Casa de Jóvenes“ wohnenden Sohn auch dort besuchen werde…denn schließlich habe mich Esteban sehr lieb – was von besagtem mit einem beschämten „Das stimmt doch gar nicht“ kommentiert wurde :D

Escolta

Fabián wird geehrt

Fabián und ich als stolze Urkundenträger ;)

Unsere Jungs ziehen ins Casa de Jovenes: Huicho, Armando, Esteban, Alvaro, Fidel, Alfonso, Paat


Die Kleinen wurden langsam hampelig :P

Jorge :)

Tae-kwon-do Vorführung

Pedro, Jair, Arnulfo, Luis, Ciro, Brian und der "Profe"

Absolventen des Kindergartens

Absolventen der Primaria

Spaßvögel Betito und Ramiro

Joni verlässt nun die Albergue

Memo ist überglücklich mit seinem "perrito" :)

"La banda": Adriana, Mago, Candy, Memo, Ian, Gemma, ich, Isabel und Ramon

"Mi jefa" Candy, Memo und ich

"Abuelita" Elvia - hat sie nicht ein wenig die Züge von Oma INGE?? ;)

Schön, dass Ian und Gemma auch endlich mal wieder mit dabei waren...ihre "Kinder" Remi und Luis haben sie damit sehr glücklich gemacht.



Doch bis September fehlen noch immer einige Wochen und diese werde ich bis zum letzten Moment nutzen und glücklich mexicanisch leben.
Dieses Jahr ist ein Geschenk.
Welches ich ab Samstag zusammen mit meiner Familie teilen darf – Ich freue mich so sehr auf euch! ;)


Nachtrag:
Es tut mir leid, dass der Eintrag ein wenig emotional- konfus gestaltet ist. Doch ich denke, in diesem Text drückt sich somit auch das Gefühlschaos aus, welches ich im Augenblick empfinde…verzeiht mir ;)

2 Kommentare:

  1. "hat sie nicht ein wenig die Züge von Oma Inga"
    wer ist denn oma IngA? ich mach mir jetzt ein bisschen sorgen...so alt bin ich noch gar nicht...und so ähnlich seh ich ihr doch auch hoffentlich noch nicht :P

    nur noch ein tag, dann kannst du dein bild von mir wieder erneuern (anscheinend war ein jahr zu lang für dein gedächnis :D)
    te kiero mucho
    deine oma Inga

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  2. Lass noch viele Fotos von dir und den chicos schießen, die sind die Besten :) Da sehen alle immer so glücklich aus! ♥
    deine Tante Chantalli

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